Friseurbesuch.

Ein großer Graben liegt zwischen der Zeit danach und der Zeit bis dahin. Wieviel Zeit genau dazwischen liegt, lässt sich nur erahnen. Babies kommen, dann wann sie wollen oder wann der Körper der Mutter es möchte oder wenn Vollmond ist. Aber sie kommen immer irgendwann. Die Kunst, den perfekten Zeitpunkt für den letzten Kino-, Frühstückdate zu zweit oder Friseurbesuch zu finden, beherrsche ich wohl. Schließlich habe ich die eben genannten Dinge schon geschafft, ohne dass ich mittendrin Mutter geworden wäre.

Zudem habe ich einem Friseur scheinbar einen Sinn für einen einsamen Abend geschenkt, ohne dass dies beabsichtigt gewesen wäre. Den neuen schwangeren Lebensabschnitt feierte ich mit einem Longbob, der mir außerordentlich gut steht. Er erfordert zwar auch mehr Arbeitsschritte, aber wenn das Baby da ist, habe ich ja massig Zeit (Ironie off).

Ich betrat relativ spontan um 19 Uhr den Friseurladen, bei dem es keine Termine zu vergeben gibt und wurde von einem männlichen Friseur begrüßt. Verloren stand er in dem Laden, kein anderer bei ihm und auch kein einziger Kunde weit und breit zu sehen. Die Chancen auf einen dringend benötigten Schnitt und Ansatztönung erhöhten sich rapide. Graue Haare am Ansatz können vielleicht noch gerade ertragen werden, aber da ich aktuell keine Schuhe mit Absatz trage und niedliche 1,58 m groß bin, begegnet es mir immer wieder, dass die Blicke größerer Gesprächspartner an den grauen Haaren hängen bleiben. Und ich bin eitel. Die Eitelkeit habe ich zwei Monate lang überwunden. Aber genug ist genug und wenn Baby erst einmal da ist, gibt es erstmal sicher keine entspannten Friseurbesuche mehr zum Ansatztönen.

Auf meine Frage, ob schneiden und tönen zeitlich drin wäre, antwortete der einsame Friseur erfreut „Aber ja!“ und machte sich sofort ans Werk.

Und er wusch, schnitt und schnitt und schnitt und schnitt, mischte die Farbe, tönte sorgfältig, wusch und pflegte und schnitt wieder. Eher wortkarg, was ich bei einem Friseur oft schätze, gab er sich seiner Arbeit hin. Die ersten anderthalb Stunden fand ich es noch entspannend, auch wenn es mich leicht beunruhigte, dass er Überstunden in Kauf zu nehmen schien. Aber da der Friseur schon erwachsen und somit groß zu sein schien, schob ich die Bedenken zur Seite. Was sollte ich auch tun? Mit halbem Schnitt nach Hause gehen? Die Tönung selbst in die Hand nehmen? Dann sprach ich ihn nach einem Blick auf mein Handy darauf an, dass er ja scheinbar länger arbeitete als er müsste. Schließlich hatte er inzwischen über eine Stunde Arbeitszeit drangehängt. Der Friseur murmelte etwas davon, dass er keine Familie habe, die auf ihn daheim warte und man müsse sich halt auch nach den Kunden richten. Ähmja. Okay, wenn ich mit meinen bescheidenen Haaren seinem Leben ein Stück mehr Sinn geben konnte – bitteschön, gern geschehen. Als das Werk dann vorzeigbar war, wurde er leicht nervös. Ja, ich hatte meinen Schnitt, wohlbemerkt einen Longbob, nachschneiden lassen wollen. Das, was sich auf meinem Kopf präsentierte, war ein klarer kurzer Bob. Da dieser mir wirklich gut stand und ich innerlich froh war, dass jemand mir endlich mal die Entscheidung für einen Kurzhaarschnitt abgenommen hat, war aus meiner Sicht alles gut. Der Friseur wollte den Schnitt aber nun perfekt haben und schnitzte, rasierte, schnibbelte und es wollte gar kein Ende mehr nehmen. Nach drei Anläufen, ihm klar zu machen, dass ich wirklich zufrieden bin, sagte ich resolut: okay, es ist halb zehn, ich muss nun gehen. Danke und auf Wiedersehen.

Vor so viel Entschiedenheit musste sogar der Perfektionist in dem Friseur in Ehrfucht erstarren und er ließ mich ziehen.

Und nun laufe ich mit einem wirklich perfekt geschnittenen Bob durch die Weltgeschichte und sammele Komplimente (auch von meinem Liebsten, den mein anmutiger nun sichtbarer Nacken sehr entzückt) ein. Das gefällt mir. Sobald das Baby da ist, wird dieser Bob mich über so manchen Frisurengpass retten. Ganz bestimmt.

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Woran man sich gewöhnt und Vorfreude.

Urlaubsstimmung im Hause Symphonee. Urlaub daheim für einige Wochen, schlafen so lange ich will und doch um acht geweckt werden. Und zwar von Schluckauf im Bauch. Oder Baby beschließt, sich strecken zu müssen und drückt seine Füßchen in meine Rippen. Oder ein Gang in Richtung Toilette wird unumgänglich. Überhaupt: Toiletten! Wenn ich unterwegs bin, gebe ich ein kleines Vermögen für Toiletteneintrittsgelder aus. Das würde ich viel lieber in Milchshakes inverstieren. Kakao, Milcheis und Milchshakes – damit kann man gerade mein Herz erfreuen. Gemächlich schiebe ich mich durch die Wohnung oder durch die Stadt, bloß keine Eile.

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Und ich bin stolz auf meinen Körper. So viel Perfektion, so viel Präzision. Es wächst ein ganzer Mensch in mir heran und ich kann es nicht glauben, wie unspektakulär das vonstatten geht. Sicher wird der Körper anders, er braucht seine Zeit, sich umzustellen und so manche Beschwerde begleitet mich und manch andere kommt gegen Ende tatsächlich noch hinzu. Man gewöhnt sich an so vieles. Wobei es mir auch leicht gemacht wurde: ich muss nicht monatelang liegen, darf meinen Schwangerensport betreiben und vermisse vielleicht nur Räucherlachs und Salami schmerzlich.

Allerdings ist der Urlaub schon proppenvoll mit Planungen. Erst einmal erfordert ein Baby einiges an Anschaffungen und dann ziehen wir auch noch in drei Wochen in die 4-Zimmer-Wohnung über unserer jetzigen Wohnung. Veränderungen en masse.

Ungewöhnlich für Symphonee, die am liebsten eine Veränderung pro Halbjahr mag: ich freue mich gerade total darauf. Und das möchte ich festhalten, egal, was noch kommt: Vorfreude steht heute und gerade an erster Stelle.