Senioren und Weihnachtsfrauen.

Kurzentschlossen rief ich die Nummer eines Seniorenheims an, um meine Ehrenamtlichkeit anzubieten. Der nette Herr am Telefon schien begeistert, was eine gute Voraussetzung für einen Einsatz ist. Nichts ist schlimmer, als sich für Freiwilligkeit aufdrängen zu müssen.

So machte ich mich auf, an einem verschneiten Nachmittag und kam in ein warmes Seniorenheim, durch das, was für ein Wunder, viele ältere Menschen schwirrten. Genaugenommen war es unerträglich warm und von den zehn fittesten älteren Menschen waren sechs ebenfalls ehrenamtlich dabei. Dazu noch fünf jüngere Ehrenamtliche (sprich fünfzig plus), die Menschen mit Rollatoren in den Festraum brachten, Rollstühle vor sich herschoben und Tische besetzten. Meine Güte, waren das viele- was sollte ich da noch tun!? Ich wurde freundlich begrüßt und fungierte in der ersten Stunde gleich als Glastüröffner, auf dass niemand von der zufallenden Türe erdrückt werden möge. Und obwohl ich dachte, dass es für mich als ehrenamtlich Erprobte mit Suchtabhängigen, Obdachlosen und Alkoholikern ein Leichtes sein müsste, erschreckten mich die älteren Herrschaften um einiges mehr. Einige schienen wachsam und lebendig, ein Großteil jedoch trug ausdrucklose Gesichter vor sich her, unbeeindruckt, scheinbar abgeschlossen mit dem hiesigen Leben. Alles in allem einen Hauch deprimierend. Nun, ich ließ mir meinen Schrecken nicht anmerken ob dieser allzu sichtbaren menschlichen Vergänglichkeit und lächelte jeden an.

Es ging weihnachtlich zu. Das heißt, die Band und die Ehrenamtlichen sangen und die älteren Menschen ließen sich besingen. Kaum ein älterer Mensch, der noch mitsang. Ich bewegte meine Lippen passend und an Stellen, die für mich eher unsingbar sind, setzte ich andere Worte ein. Ja, vielleicht ist die Vorweihnachtszeit nicht die beste Zeit, um ehrenamtlich helfen zu können, ohne glaubensmäßig anzuecken. Ich löste es durch angebliche Anpassung.

Die ehrenamtlichen Damen dachten, ich sei eine 20-jährige Praktikantin, bei ihrem Altersdurchschnitt nicht verwunderlich, dass ich sehr viel jünger eingeschätzt wurde. Was macht die junge Dame denn hier im Seniorenheim? Und dazu noch eine türkische. Ja, eine der Damen wurde sehr direkt und fragte, wieso ich so schwarzes Haar habe. Vorher hatte sie mir lästerisch erzählt, dass einige Ehrenamtliche sich sehr wichtig fühlen würden. Nun, ich nahm es als ungeschickten Kontaktversuch. Mein fertiges Studium verschwieg ich allen, zu ungeschickt und überflüssig fühlte ich mich zeitweilig.

Es wurde Essen verteilt, Getränke ausgeschenkt, abgeräumt, gesungen und anschließend alle wieder in die Zimmer gebracht. Der erste Einsatz war in eigener Mission erfolgreich und ernüchternd hinter mich gebracht.

Mein Fazit fällt durchwachsen aus. Ich weiß nicht, was ich mir erwartet habe und ob ich zu egoistisch gewesen bin, als ich meinte, es würde mir menschlichen Austausch und Beschäftigung bringen. Sicherlich hatte ich zu einfach gedacht. Letztendlich wäre meine Arbeitskraft nicht gebraucht worden und auch das Weihnachtliche hat nicht dazu beigetragen, mich wohl zu fühlen, aber es war einen Versuch wert.

Inzwischen bin ich wieder voll eingebunden in einen Übersetzungsjob und in eine Partyplanung, auch Familie und Freunde haben durch die Feiertage mehr Zeit, so dass ich wenig Zeit für Gedankenwanderungen habe. Und, ganz ehrlich gesagt: es gibt genügend Menschen im eigenen Umfeld, die nicht nach Hilfe fragen, denen man aber immer wieder Hilfe anbieten kann. Und vielleicht, vielleicht darf man dann auch mal unterstützen.

 

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Frieden.

Nichts Schöneres kann ich mir vorstellen, um mir den Winter zu versüßen, als Schnee. Frisch gefallenen Schnee. Kälte macht mir wenig aus, denn ich ziehe warm eingepackt über die neu verschneiten Flächen und finde Frieden.

Das macht mich glücklich.

Am Schopf herausgezogen.

Manchmal, wenn ich mich tagsüber allein fühle, ist der Winter zu dunkel, das Warten dauert zu lang und ich beginne zu jammern. Auf hohem Niveau, natürlich. Eigentlich kann man in unserem Land fast nur auf hohem Niveau jammern. Das weiß ich. Und dennoch knabbert zuweilen die Dunkelheit traurig an mir.

Etwas Neues muss also her.

Gespräche, Austausch, menschliche Wärme und sei es nur ein Lächeln geben mir Energie*. Aus diesem Grund gedachte ich meine ungewollte Auszeit zu nutzen, um irgendwo ehrenamtlich einzusteigen. Also vereinbarte ich einen Termin im Freiwilligenbüro, ging die sechs Kilometer zu Fuß hin (die öffentlichen Verkehrsmittel werden immer teurer!) und bekam drei Nummern für zu organisierende Weihnachtsfeiern. Alles andere, was ich interessant fand, könnte zu lange dauern und ich dann zeitlich wieder voll eingespannt sein. Schade eigentlich. Mal sehen, was daraus wird.

* Ich habe durchaus auch eigene Kontakte in meinem Leben. Die arbeiten jedoch momentan, sind zeitlich voll eingespannt und können deshalb nur ab und an für einige Stunden Zeit mit mir verbringen. Mein Liebster ist in seinem eigenen Klausuren-/ Schul- und Arbeitsstress, so dass er die sowieso schon kurzen Abende am Schreibtisch verbringt. Nur das Wochenende ist von Menschen erfüllt. Das genieße ich dann umso mehr.

 

 

Fertig.

Die gültige Fahrerlaubnis darf ich nun täglich bewundern. Ich habe tatsächlich in schnellen anderthalb Monaten geschafft, was ich seit meinem 18. Lebensjahr nie recht angehen wollte: den Führerschein. Nach einer eher zitternden Prüfung, bei der ich meinen Fahrlehrer besser nicht angeschaut habe, fiel mir bei dem abschließenden Wort „bestanden“ ein dicker Stein vom Herzen. Mehr Geld hätte ich bei aller Notwendigkeit auch gar nicht investieren können. Die Ermahnungen des Prüfers nickte ich nur noch halb ab.

Und nun?

Nun bin ich nur noch absolut arbeitslos. Ja, arbeitslos und gerade fühle ich mich auch noch nutzlos. Die fast täglichen Fahrstunden haben Bewegung und Vorankommen gebracht, es war nett, mit meinem Fahrlehrer zu quatschen, auch wenn er gegen Ende immer mehr zum schweigenden Prüfer wurde. Es brachte Abwechslung. Dieses Ziel ist jetzt abgehakt.

Ich schweige hier, weil es nichts zu erzählen gibt.