Sommerliche Balkonfreuden.

Es ist noch kein Meistergärtner vom Himmel gefallen. In meiner Welt, zumindest. Und falls ihr von einem vom Himmel gefallenen wisst, dann schweigt bitte galant, denn meine Gärtnerbestrebungen sind eindeutig alle absolut in die falsche Richtung gelaufen.

Als Neu-Balkon-Besitzerin musste der dazugewonnene Raum ordentlich genutzt werden, also wurde sofort nach Bodenverlegung das Lieblingsgemüse Balkonfertig ausgepflanzt. Das Wetter spielte gleich von Anfang an nicht mit, die Gitterstäbe des Geländers hielten den Wind mehr als nur notdürftig ab und Tageslicht musste das Sonnenlicht zudem auch noch ersetzen. Alles in allem ein schwieriger Start. Dennoch sah ich mich schon Tomaten von der Staude pflücken und mit Schmackes in die rote Schale beißen. Hmmm.

Dann kamen keine Blüten. Die Blätter wurden seltsam und rollten sich in einem Anfall von Rollwut zusammen, der nebenan lebende Basilikum verabschiedete sich schneller als die Pfefferminze, aber das auch nur, weil die Pfefferminze wegen zu schneller Verbreitung von mir verbannt worden war. Und obwohl ich die überzähligen Triebe fleißig ausweidete, sah die Tomatenpflanze immer skurriler aus.

Eines Abends wurde der undankbare Sommerregen auch noch unbarmherzig kalt und ich holte Tomatchen rein in die gute Stube. Das Gute an einem transportablen Beet ist, dass man es in eine wärmere Ecke schieben kann. Die schlechten Ausgangsbedigungen mussten aber nun langsam mal ausgeglichen werden, also durfte die Kleine ins Warme und Trockene.

Am nächsten Tag hatten die Blattläuse den Rand des Kübels überklettert und es sich auf dem Boden unserer guten Stube bequem gemacht.

Blattläuse? Auf dem Balkonbeet? Und meiner geliebten Tomatenpflanze? IN MEINER WOHNUNG?

Der Staubsauger kam zum Einsatz, Tomate plus Dill und Basilikum in Untersuchungshaft auf den Balkon gebracht, um anschließend lebenslänglich aus unserem Leben ausgeschlossen zu werden.

Na, wenn das mal kein ordentlich missglücktes Gärtnerdasein von kürzester Dauer ist. Zumal mir jeder im Nachhinein noch einmal erklärte, was Ausweiden bedeutete.. nämlich nicht alle die abzupfen, die noch nachkommen, sondern nur die in einer „Astgabelung“ neu sitzenden Triebe. Danke, ihr schlauen Gärtner, meine Tomate lebt ihr zweites Leben in der Mülltonne und meine Gärtnerversuche bleiben auf das Gießen unserer Zimmerpflanzen beschränkt. Sicher ist sicher. (Rettet die Tomaten vor mir!).

 

Hier ist noch alles ein bisschen besser, aber beginnende Rollwut am Tomatenblatt ist auch schon zu bemerken.

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Unerwartet erfüllte Wünsche.

Ja, es gibt Vernunftsgründe, es gibt Tipps, Vorbehalte, aber ich kann es kaum für mich behalten und möchte es in die Welt rufen. Als ich vor zwei Wochen über besondere Momente schrieb, berührte mich das Bild, das ich vor Augen hatte, sehr. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass es mir bald ähnlich gehen wird und dass ein kleiner, kleiner Ursprung in diesem Augenblick schon in mir reifte.

Als ich vorletzte Woche etwas vermisste, ahnte ich schon, dass ich eventuell von unserem eigenen Nachwuchs überrascht werden würde. Und nun, genau so ist es, denn Kinder lassen sich selten planen..

Diese Vorfreude, Euphorie und das Strahlen habe ich mir nie träumen lassen. Zu meinem Glück geht es mir hervorragend, ich blühe eher auf als dass ich beginne grün im Gesicht zu werden und die Welt leuchtet in bunteren Farben als jemals zuvor.

Unser langgehegter Wunsch hat seine Verwirklichung selbst in die Hand genommen und alle meine Bedenken, Befürchtungen und Unsicherheiten sind weggewischt. Wie gesagt, ich fließe über vor Glück.

Das, so denke ich, muss auch mal ausgesprochen werden. Und vielleicht freut man sich ein kleines Stückchen mit uns mit..

 

 

 

 

Die junge Frau plante ihr Leben von jeher perfekt. Nach der Schule das Studium, nach dem Studium Job, zwischendrin einen jungen Mann kennengelernt, verbeamtet werden- beide, eine Wohnung mit vielen Zimmern mieten, heiraten, Kind kriegen, Elternzeit genießen, wieder arbeiten. Check, check, check, check, check, check.. alles nach Plan. Sie wusste schon früh, dass sie einen Lebensplan mit To-Do-Liste brauchte, auf dem sie abhakt, was sie geschafft hat. Und bisher lief es wie geplant. Check.

Lebensentwürfe sind verschieden. Nur laufen meine weniger nach Plan ab als andere. Oder vielleicht nur aus dem Grund, weil ich die kleinen Abweichungen von meinem wie auch immer gearteten Plan kenne, während andere diese Pläne nicht öffentlich machen? So sehr mich der Entwurf der jungen Frau erstaunt und abschreckt, zu gleichen Teilen wünschte ich mir manchmal ebenfalls mehr Planmäßigkeit in mein Leben.

Und manchmal werden alle Pläne durchkreuzt. Zum Glück und hoffentlich nur positiv.

 

Gefühlsausbrüche.

Manchmal bin ich so wütend und sauer, dass ich mir mindestens einen Boxsack wünsche, um minutenlang draufhauen zu können. In solchen Momenten schreibe ich oberflächlich beherrschte Nachrichten, um anschließend trotzig das Handy auszuschalten und weit weg zu legen. Niemand soll mich erreichen können- Symphonee hat heute geschlossen. Ich grummele und brummele vor mich hin, lese Blogs, lenke mich ab, wohlwissend, dass ich all die rationalen Gründe weiß, die mich runterbringen könnten. Doch ich zelebriere den Gefühlsausbruch und schwanke zwischen „ich habe das Recht dazu“ und „eigentlich will ich wieder runterkommen“ oder „irgendwer oder irgendwas muss daran schuld sein“.

Wenn ich nach etwas länger vergangener Zeit dann wieder Liedchen mitsinge, ist klar, dass es Zeit wird, das Handy wieder einzuschalten. Ja. Und dann sagt das Gedächtnis, das die vier Ziffern immer so zuverlässig nach Sprachmelodie gespeichert hat, ganz einfach NEIN zum Erinnern. Die Zahlen sind weg. „Selbst schuld!“ ruft das Fenster mir zu und ich seufze.

Vielleicht sollte ich in meine Bewerbungen auf keinen Fall schreiben, dass ich einen kühlen Kopf bewahren kann, wenn ich hundert kleine Dinge erreichen, erledigen, planen und im Kopf haben muss, während die Zukunft erschreckend offen  und unabgesichert vor einem liegt. Zum Glück wird das in den Ausschreibungen nie verlangt.

Und wieder habe ich einen Schuldigen gefunden: die Zukunft, die nicht in die Pötte kommt und lässig hingelümmelt auf der Sitzbank wartet.

 

 

 

Momente.

Eine junge Frau setzt sich mit ihrem Säugling in einem fahrenden Zug, umgeben von Menschen, die schweigen. Das Baby krächzt, die Mutter sagt beruhigend „schhhhh“. Das Baby antwortet mit einem lauteren Geräusch. Ihm scheint langweilig zu sein. Die Mutter liest Zeitung, das Kind liegt halb auf dem Arm, der Kinderwagen steht nebenan. Nach einigen lautstarken Schreien steckt die Mutter die Zeitung zwischen ihre überschlagenen Beine und beginnt mit dem Baby zu spielen. Sie dreht es im Kreis, damit das Kind alles und jeden sehen kann, denn es ist furchtbar neugierig auf diese Welt. Ruhig, klar und bestimmt geht die Mutter mit dem Säugling um. Liebevoll.

Es berührt mein Herz auf vielerlei Weise.

 

– sortiert und übersichtlich –

Wir sind Chaoten, was das Einordnen von Papier und Krams angeht. Regelmäßig laufe ich oder mein Schatz durch die Zimmer und suche etwas. Jedes Mal schwöre ich mir insgeheim, irgendwann alles aufzuräumen und eine Grundordnung zu schaffen. Oder vielleicht könnte auch der Liebste..? Nein, besser nicht. Wenn er in den Aufräumwahn kommt, schmeißt er weg und zwar auch Papier, das ich noch brauche. Ich vertraue meinen Fähigkeiten in diesem Punkt mehr. Wenn ich sie denn auch zum Einsatz bringen würde. Zuweilen nerve ich mich selbst. Und dann sage ich mir wieder: was ich fürs Einordnen an Zeit nicht aufbringe, investiere ich halt ins Suchen. Es lebe die Suche!

Doch manchmal wünschte ich, wenigstens einer von uns beiden könnte besser Ordnung halten. Vor allem dann, wenn ich das Gesuchte einfach nicht finden kann.

Wobei, der Liebste übt schon. Oh, er läuft gerade suchend vorbei. Schahatz, was suchst du? Ach, den Brief? Ja, den habe ich irgendwo gesehen. Aber  warum schaust du gerade im Schuhschrank nach?

(Witzigerweise, aber nur witzig, wenn wir nicht gerade los wollen und er wieder mal seinen Schlüssel sucht, beginnt der Gute seine Suche meistens dort, wo er grad steht- ob das nun logisch ist oder nicht.. und meistens ist es nicht logisch.)

Vielleicht solltest du in den fünf Tüten nachschauen, die du regelmäßig ob des vielen Papiers füllst und hinter das Wohnzimmersofa stellst. Ja, hinter dem Wohnzimmersofa liegt so einiges rum. Ist doch sortiert, oder?

Spätestens, wenn ich mal massig Zeit, Langweile und Motivation habe, kommt das alles weg. Vielleicht finde ich dann einen besser zugänglichen Ort für die fünf Tüten, die jetzt noch hinterm Wohnzimmersofa wohnen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Lebensentwürfe.

Meine Empathiefähigkeit ist ziemlich hoch. Und dennoch macht das Einfühlen vor einem Punkt halt: bei manchen Leben fällt es mir schwer, mir auch nur ansatzweise vorzustellen, wie dieses sich leben lässt. Möglicherweise bedeutet Empathie auch gerade das: Einfühlungsvermögen, ohne ein Eintauchen in das andere Leben.

Ich betrete den Eckkiosk, der alles Nötige und drüber hinaus noch all das, was man an einem Wochenende oder in der Nacht vergessen haben könnte vorher zu kaufen, im Angebot hat.- Hinter der Theke schaue ich in einen Wohnraum, der zugleich die Nähstube der Frau des Kioskbesitzers ist. Es läuft der Fernseher, die Frau näht, die Kinder schauen neugierig durch die Tür zum Ladenraum, auf dem Tisch steht ein Backgammonspiel. Gemütlich und langweilig- so stelle ich mir dieses Leben vor. Von morgens bis abends in einem Raum lebend, alle auf engstem Raum. Und wieder wird mir klar, wie verwöhnt ich bin und wie hart es mich treffen würde, wenn ich mal ganz plötzlich fliehen müsste, wenn es eine Katastrophe gäbe, wenn, wenn, wenn. Das fängt schon bei den Kontaktlinsen an, die ich täglich reinigen muss und ohne die ich erbärmlich schlecht sehe. Ausgerichtet auf Luxus. Denn fließendes Wasser in der Wohnung allein ist schon Luxus.

Fremd ist mir so manches. Gleichzeitig fasziniert es mich. Ich möchte unbedingt meinen Horizont erweitern. Gestern abend schaute ich auf vox eine erstaunlich gute Samstagsdokumentation über die Traditionen der Roma- am Beispiel einer Familie in Köln. Gut, der eine oder andere Aspekt (zum Beispiel der der Jungfräulichkeit) wurde mir zu deutlich und eindringlich erfragt, aber meine geringe Kenntnis über dieses kleine Völkchen wurde fürs erste erweitert.

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Halbträume.

Der Wunsch, das erste und letzte Mal bevor eventuell der eigene Nachwuchs auf der Matte steht, einen 6-monatigen Aufenthalt in einem anderen europäischen Land zu wagen, lässt mich nicht los. Er verfolgt mich, ich finde Jobs, entwerfe mein Leben in einer anderen Stadt, allein. Kann ich das? Ohne meinen Liebsten, der nur für Besuche rüberkäme? Neben den vielen kleinen Ängsten, die das Materielle betreffen, die Einsamkeit und die Sprachherausforderung ließe die Befürchtung mich nicht los, dass man sich in sechs Monaten auseinander entwickeln kann. Sehr diffus, diese Angst, aber durch viele Ratgeber geschürt.

 

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Frühstückskämpfe.

Nach Monaten atemlosen Nebeneinanderherlebens mit zwischenzeitlichen Blitzen, die mehr Zeit versprachen, will das beinahe täglich zeitlich unbegrenzte gemeinsame Leben wieder gelernt werden.

Man hat uns einen Balkon angebaut. Das heißt, man baute ihn schon seit acht Jahren an- sieben geplant und eines schmerzhaft langsam in die Länge gezogen, aber gut, nun steht er. Seit gestern.

Es ist Morgen, ich ziehe mich an, mein Liebster schickt sich an, das Frühstück zu bereiten. Ich frage, ob der Balkon schon zu nutzen wäre. Ganz allgemein. Er sagt ja und beginnt, ein Frühstück auf dem Balkon zu planen. Zur Auswahl an Tischmöbeln: ein klitzekleiner niedriger Wohnzimmertisch, ein sperriger Küchentisch, der dennoch schon beinahe auseinanderfällt und ein noch nicht zusammengebastelter leichter Tisch- wie geschaffen für einen Balkon.

Dreißig Minuten später stellt sich folgendes Bild dar: der Kaffee ist kalt, der sperrige Küchentisch hängt halb auf dem Balkon, die Einzelteile des Tisches aus dem Keller werden vom Liebsten zusammengeschraubt. Erbittert. Ich checke die Brotlage, die weniger als mau ist und informiere ihn vorsichtig. Kaum Reaktion. Also gehe ich erstmal Brötchen holen. Erbittert.

Als ich wieder da bin, können wir vorsichtig wieder lachen. Es sind ja nur Kleinigkeiten, Missverstädnisse und Mimositäten, die ein ganzes Frühstück dauern. Und mich abwechselnd vom Lachen, zum Wütendsein und anschließend zum Diplomaten werden lassen. Und ich bin eindeutig der schlechtere Diplomatische von uns beiden.

Letzten Endes fliehen wir dem Küchenchaos und ich meinen Verpflichtungen – wir betreiben Sightseeing in der Stadt, in der wir aufwuchsen, fahren Rad, essen vietnamesisch scharf und vergessen wieder Brot zu kaufen. Die gemeinsamen freien Tage sind gezählt, und emotionaler könnten sie kaum sein. Wir genießen es.