Symphonee’s weekly.

_Gesehen_  The Big Bang Theory / Unser Song für Malmö / Morning Glory / Grey’s Anatomy / The Bachelor

_Gehört_  Radio / Gitarrenprofis / einen coolen song

_Getan_ Finanzamt besucht / beim Friseur einen fescheren Haarschnitt verpasst bekommen / viele Freunde und Bekannte auf meiner neuen Fahrt zur Arbeit getroffen / gelernt, gewundert / mehr und gleichzeitig weniger geschlafen als sonst / geografische Tatsachen wiederholt

_Gelesen_ Spiegel / Konzepte / „Liebeslänglich“ von Susanne Mischke / „Der vierzehnte Stein“ von Fred Vargas angefangen

_Gegessen_ Pommes / frisches Brot / Fischburger mit Kartoffelpüree* / Sauerkraut mit Tofuwürstchen* / Eintopf mit Tofufrikadellen* / Nudeln mit Pute und Orangenstückchen* / Freitagspizza / Nudel Bolognaise / Raffaello-Muffins* / Gemüse-Ei-Pfanne // *auf der Arbeit kocht die Kochgruppe mit der Hauswirtschafterin täglich und es wird anschließend gemeinsam gegessen

_Getrunken_ Fruchtsäfte / Wasser / überdurchschnittlich viel Kaffee / Granatapfel Alkopop / warmen Kakao

_Gefreut_ geplante und ungeplante Treffen mit Freundinnen / letzte freie Tage / Diskutieren und Philosophieren mit Nachbarn / über positive Bemerkungen / Arbeit / über eine weitere Einladung zum Vorstellungsgespräch / einen hochfahrenden Laptop / über frühe Feierabende / viel Gelerntes und verknüpfte Zusammenhänge / über ein Kompliment zu meinem geschmackvollen Kleidungsstil / über meine neue Frisur

_Gelacht_ mit Teilnehmerinnen / über Serien

_Geplant_ Angebote für die Teilnehmerinnen / Shoppingtour für den sechzigsten Geburtstag meines Vaters / erste Ansätze für Urlaube / erfüllte Wochenenden / eventuell Fitnessstudio-Mitgliedschaft

_Gekauft_ einen warmen Sterchenpulli in blau / ein Fledermausoberteil in lila / rosa Hausschuhe / Bügeleisen / viele Briefmarken

_ Geärgert _ über ein plötzlich nicht mehr warm werdendes Bügeleisen und ungebügelte Klamotten, die ich tragen musste / über manche Bemerkung / über fehlende Motivation zum Putzen / über meine Nachbarin, die mir schon zum zweiten Mal das Gefühl gibt, dass etwas nicht stimmt und es abstreitet, wenn ich frage

_ Gewünscht_  einige Kilos weniger / mehr Zeit mit meinem Liebsten / diesen wunderbaren, süßen und tollen kleinen Wohnwagen

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Erstes Fazit nach vier Tagen.

via

Ein herausragend wertschätzender Mensch kann einen besonders wenig wertschätzenden Menschen überdecken. Das ist das Erste, was ich bei meiner neuen Stelle gelernt habe. Die Wertschätzung in Person arbeitet nicht da, wo ich bin und ich werde von einem Relikt eingearbeitet, das eine Mischung aus schlechter Erfahrung, Angst vor Kontrollverlust und Frauen besteht.* Das heißt nicht, dass der ältere Herr nicht auch gute Seiten hätte, aber meine Erwartungen an das Team aufgrund meines Gesprächs sind doch sehr erschüttert. Das Team besteht noch aus einem eher zurückgezogenen jungen Mann, der freiwillig kaum ein Wort mit mir wechselt, einer mittelalten Dame, die sich nach meiner Ankunft krankgemeldet hat, einer lieben Hauswirtschafterin, die offensichtlich vom Relikt genervt ist und einer Honorarkraft, die selten da ist, aber die ich sympathisch finde. Gruppendynamiken interessieren mich und sind mir in der ersten Zeit inzwischen wichtiger als die Arbeit an sich. Aufgrund einer schlechten Erfahrung versuche ich mich so gut es geht zu schützen, um nie wieder unter die Räder irgendeines geltungssüchtigen Menschen zu kommen.

Mein Gefühl für die anstehende Arbeit ist jedoch ausgesprochen gut. Wertschätzung ist bei der Arbeit mit Menschen, die noch so gut wie nie im ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen durften, von enormer Wichtigkeit. Ich habe viele Freiheiten, bin für fünf TeilnehmerInnen zuständig und habe für meine ersten vier Tage vieles schnell übernehmen können. Mein Anerkennungsjahr hat mich gefühlsmäßig weit gebracht. Und als Berufsanfängerin sprühe ich vor Enthusiasmus und Hoffnung. Ich finde, das muss es geben- dafür sind junge Kolleginnen gut.

Nichtsdestotrotz nehme ich weitere Vorstellungsgespräche wahr. Ein Grund dafür ist schon die Befristung, obwohl die sehr wahrscheinlich um eine weitere Befristung verlängert wird. Bildungsträger stellen immer befristet ein. Irgendwie fühlt sich der Bereich für mich nicht wirklich „angekommen“ an. Ich warte jedoch ab, versuche das Eine oder das Andere und gebe sowieso mein Bestes.

* Am ersten Tag erzählte er mir seine langjährige Mobbinggeschichte, die ihn krank und bitter gemacht hat. Das tut mir wirklich im Herzen weh, aber leider hat dieser Mensch meiner Ansicht nach einige destruktive Strukturen übernommen- wenn er sie nicht schon vorher an den Tag gelegt hatte..

Symphonee’s Weekly.

_Gesehen_  Der Bachelor / Woher weißt du, dass es Liebe ist / The Big Bang Theory / Internationaler Frühschoppen (sehr empfehlenswert für einen Blick über den Tellerrand)

_Gehört_  russische moderne Songs (melancholisch, sehr poetisch und mit tiefsinnigeren Texten) / Green Day

_Getan_ vorgestellt / Sockenpaare zusammengesucht / Kleiderschrank aufgeräumt / mit jüngster Schwester Arzt besucht und zusammen in der City gewesen / gefreut, gefreut, gefreut

_Gelesen_ “The third twin” von Ken Follett / Spiegel / „Tabletka“ von German Sadulaew auf russisch angefangen

_Gegessen_ Gemüsepfanne / zu viele Toastbrote / endlich wieder frisches Brot / selbstgekochten Milchreis / m&ms / indische Reis-Puten-Pfanne / Freitags-Pizza / Schokocrossaint

_Getrunken_ Bananen-Milchshake / Cola / Wasser / Kaffee

_Gefreut_ über ein „Ich liebe dich“ von meiner jüngsten Schwester- freiwillig ausgesprochene Worte einer 14-Jährigen / einen Ausflug mit meinem Bruder / das Vorstellungsgespräch und die Zusage zu einem Job / über eine Mail / letzte Tage voller Freizeit / eingehaltene Versprechen / über allgemein viel berufliche Bewegungen / einen laufenden Laptop / ein Geschenk

_Gelacht_ über die Nerds / mit meinem Bruder / über einen Werbespot

_Geplant_ Zukunft / meine letzten Freizeittage / Wochenenden

_Gekauft_ ein pinkes Flatteroberteil / Sefir

_ Geärgert _ über rutschige Hausschuhe, die mir einmal Ausrutschen auf der Treppe plus schmerzende Ellenbogen und drei blaue Flecken eingebracht haben

_ Gewünscht_ Motivation für Bewegung / Urlaub in Russland

Ein guter Wind.

Ich hatte es gespürt. Als ich die Räume betrat, wirkten sie klein und beengt, aber auch freundlich und warm. Inzwischen hatte ich wöchentlich Vorstellungsgespräche gehabt, die meistens für mein Gefühl gut liefen, aber niemals in einem guten Ergebnis für mich geendet hatten. Dazu gab es immer kleine Vorbehalte in mir- gegenüber den Räumen und anderen kleinen Umständen- nichts, was gegen die Stelle sprechen würde, aber für meine sensible Wahrnehmung nicht zu übergehen waren.

Das Verrückte daran war, dass ich mich freiwillig nicht auf die Stelle beworben hätte. Junge Menschen, die kurz vor dem Abgrund stehen, in Ausbildungen zu bringen ist nicht unbedingt das, was ich mir als erste Aufgabe zugetraut hätte. Obwohl ich mich meistens eher deshalb nicht ernsthaft bewerben konnte, weil stets ein eigener PKW als zwingend erforderlich ausgeschrieben worden war. Den habe ich nicht und den werde ich so schnell nicht auftreiben können. Die Arbeitsagentur trug den „Vorschlag“ an mich heran und ich schrieb brav hin.

Ich bekam eine Woche später eine Einladung zu einem Gespräch, aber nicht für die Arbeit mit Jugendlichen, sondern für Menschen, die lernen wollen, Struktur in ihren Alltag zu bringen. Niedrigschwellig und doch voller Möglichkeiten für mich zum Lernen. Das fühlte sich für mich schon viel besser an. Viel viel besser. Allerdings müsste ich wieder einmal eine Fahrtzeit von täglich zwei Stunden in Kauf nehmen.

Das Gespräch war voller Wertschätzung und Warmherzigkeit, wir lachten gemeinsam und unterhielten uns über die Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit. Es war entspannt und ich fühlte mich als Symphonee angenommen. Trotz aller Vorbehalte wusste ich: da will ich hin! Es war genau wie damals, als ich für mein Anerkennungsjahr in der Beratungsstelle zwei Stunden Fahrtzeit täglich gegenüber einer Stelle, die praktisch um die Ecke war, in Kauf nehmen musste. Und doch sprach die Beratungsstelle mein Herz an. Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut.

Als gestern der versprochene Anruf nicht kam, sank mein Mut. Meistens bedeuten lange Wartezeiten, dass es für mich nicht geklappt hat. Und dann wurde ich endlich am späten Nachmittag angerufen, der Leiter teilte mir mit, noch keine Antwort zu haben, da einer der entscheidenden Mitarbeiter erkrankt war, aber mir unbedingt am kommenden Tag Bescheid geben werde. Wisst ihr, wieviel es heutzutage bedeutet, überhaupt Antwort zu bekommen? Viele Versprechen wurden gegeben, wenig wurde eingehalten und von manchen habe ich sogar nach Gesprächen nie wieder etwas gehört.

Heute morgen, wie versprochen, wurde mir mitgeteilt, dass sich alle Mitarbeiter einstimmig für mich entschieden hätten. Am kommenden Dienstag beginne meine Arbeitszeit. Sie würden sich alle auf mich freuen und ich würde mich auch noch oft freuen dürfen. „Ich freue mich ja jetzt schon so sehr“ konnte ich nur darauf antworten.*

Hiermit bin ich offiziell nicht mehr arbeitssuchend. Man darf mir gratulieren.

*Ich glaube, ihr spürt meine Euphorie auch gerade, oder? Ich weiß natürlich, dass nicht immer alles rosig sein und bleiben muss, aber ich bin ziemlich gut darin, gefühlsmäßig einzuschätzen, was für ein Wind weht. Und dort spüre ich Wertschätzung und Menschlichkeit. Das bedeutet so viel mehr, als ich zu hoffen wagte und deshalb sehr sehr viel für mich.

[M]ein Thema.

Eine Nähmaschine hatte ich mir gewünscht. Zum Kleiderselbernähen. Ja, Kleider, die schwingen, die an die 50er Jahre angelehnt sind und Röcke, die meine Figur umspielen. Eine Figur, die leider oft nicht in die gängigen Modetrends passt. Erst gestern habe ich mich nach warmen Pullis umgesehen, weil diese gerade günstig zu erwerben sind und es mir an warmer Kleidung mangelt. Ich war wenig erfolgreich, denn diese Sackartigen Oberteile betonen an Stellen, die bei mir nicht betont werden müssten sollten und lassen mich dadurch zehn Kilo schwerer aussehen. Da kann man schon einmal frustiert sein. Prompt sank meine Laune um einige Stufen.

Selbstnähen wäre ist eine Option- zumindest was Röcke und Kleider angeht. Die Modelle, die in den Läden hängen, sind mir nämlich gerade wirklich zu kurz. Einerseits habe ich noch nie gern Röcke getragen, die oberhalb meines Knies enden und andererseits kann ich bei der Arbeit mit Menschen ihnen nicht verkrampft gegenüber sitzen, wenn ich das Gefühl habe, sie könnten mir unter den Rock schauen.

Wie dem auch sei: ich habe immernoch den hehren Plan, mir Röcke und Kleider zu nähen. Solche, die mir stehen. Ein bisschen Rockabilly in brav und Lena Hoschek in günstig. Lena Hoschek hat im Übrigen auch auf ganz andere Art und Weise mein Thema getroffen. In einem Interview erzählt sie, wieso sie die Mode macht, die sie macht und sie erzählt von ihren eigenen weiblichen Formen und der Modewelt, in der Models heutzutage eher gekrümmt gehen müssen, um besonders androgyn zu wirken. [Keine Frage: es gibt Frauen, die von Natur aus eine androgyne Figur haben und denen die Mode momentan passt. Nichtsdestotrotz nervt es mich allgemein, dass man darauf angewiesen ist, den gängigen Formen zu folgen, da es fast nicht anderes in den Läden gibt. Insbesondere, wenn man günstig kaufen muss. Wobei ich auch oft in Second-Hand-Läden unterwegs bin und da ab und an fündig werde- aber dort fehlt dann wieder das Ausweichen auf andere Größen, falls mal etwas gefällt.]

Mein Herz schlägt für weibliche Outfits, viel Rock und Kleid- auch weil mir das steht. Und gleichzeitig traue ich mich nicht so ganz, denn manchmal muss ich meinen ganzen Mut aufbringen, um keine Hose zu tragen. Gerade im sozialen Arbeitsbereich – das ist jetzt meine Erfahrung – gilt man in einer Jeans als bestens angezogen und der Jeanskauf ist für mich eine oftmals nervenaufreibende never ending story. Dazu habe ich oft die Befürchtung, overdressed und etepetete rüberzukommen, wenn ich in Röcken und Kleidern daherkomme. Bewerbungsgespräche absolviere ich immer in Hosen. Möglicherweise könnte man mich als zu verspielt wahr- und mich nicht ernstnehmen, wenn ich zu weiblich wirke? Und genauso schlimm eventuell als Omahaft und unmodern? Erst nach und nach trage ich dann meine Röcke zur Arbeit. Dann gewöhnen sich die Leute daran.

Tatsache ist, dass ich meinen Stil noch nicht ganz ausleben kann. Aus materiellen Gründen und auch, weil mir manchmal der Mut fehlt. Nichtsdestotrotz weiß ich, dass ich immer mehr sein kann, wie ich bin (besonders in Bewerbungsgesprächen, die ich momentan im wöchentlichen Takt habe) und ich freue mich auf weitere Zeiten, in denen ich nähen werde, was ich tragen mag.*

 

* [Eine nicht unerhebliche Rolle spielen auch Stoffe. Synthetische Stoffe sind auf dem Vormarsch und sehen oftmals ein bisschen schicker aus als Baumwolle. Gleichzeitig ist das Tragegefühl für mich dabei absolut unangenehm. Sogar in hochpreisigen Bekleidungsgeschäften gibt es kaum noch echte Wolle, gute Baumwolle mit Futter und andere echte Fäden. Wenn ich selbst nähe und die finanziellen Mittel für gute Stoffe da ist, habe ich auch in diesem Bereich Einfluss auf das, was ich trage.]

Symphonee’s Weekly.

_Gesehen_  Big Bang Theory (ich komme auf den Geschmack) / The Good Wife / Ein Schwein in Gaza / Film über einen tragischen Unfall / Talkrunden en masse

_Gehört_  Radio

_Getan_ beworben / Fahrrad gefahren / vorgestellt / mit Schwester getroffen

_Gelesen_ “The third twin” von Ken Follett / Spiegel

_Gegessen_ Rinder Minutensteaks / Nudeln mit Tomatensoße / Reis mit Buttergemüse / Toast mit Spiegelei / Ofenkartoffeln / Schoko-Cornflakes

_Getrunken_ Aperolsprizzzeug vom Discounter / Kaffee / Wasser / Tee

_Gefreut_ über Zeit mit meiner Schwester / über den neuen alten Laptop / über Bezahltes / Entlastung / meine Fahrkahrte / eine Einladung / freie Tage / aufgeräumte Dokumentenordner / sortierte Socken

_Gelacht_ über Serien / mit meiner Schwester

_Geplant_ Essen / weitere Fahrten / einen Besuch

_Gekauft_ Tulpen / Monatskarte

_ Geärgert _ über vieles / den alten Laptop / kein Vorwärtskommen

_ Gewünscht_ Chancen / ein paar Kilos weniger und mehr Motivation, das anzugehen

Aufschrei?

Je länger die Sexismus-Debatte andauert, desto weniger weiß ich, wo ich mich positionieren soll. Die erste Entscheidung ging klar zu den jungen Frauen, die auf den Talksesseln ihre Meinungen und Erfahrungen kundtun, denn ja, auch ich habe ähnliche Erfahrungen machen müssen.

Innerlich ziehe ich meine Grenze aber anders.

Für mich gibt es Flirten und Komplimente und dann gibt es ekelhafte, plumpe Anmache, die unter die Gürtellinie geht und in sexuelle Belästigung mündet. Diese Grenze ist für mich gefühlsmäßig relativ klar gezogen, aber verläuft für jede Frau (und deshalb auch für jeden Mann) anders.

Manch ein fremder Mann spricht mich an und macht mir ein Kompliment. Weitere mögliche Absichten wehre ich dann freundlich und bestimmt ab, aber für das Kompliment bedanke ich mich. Er findet etwas an mir schön und äußert es respektvoll. Das finde ich okay.

Manch ein Mann pfeift mir hinterher oder schnalzt zu mir rüber- was ich weniger erquicklich finde, denn ich bin ja kein Meerschweinchen oder Hündchen, dem man durch solcherart Signale Zuneigung zeigen müsste.

Manch ein Mann bedrängt eine junge Frau durch Worte und „Taten“. Das geht gar nicht, aber ich habe es so in der Form noch nicht erlebt (zum Glück).

Manch ein Mann hat immer einen unpassenden Spruch auf den Lippen und man kann dem kaum entkommen, weil man beruflich oder schulisch oder wie auch immer mit ihm zu tun haben muss. Das ist die unangenehmste Art, wie man mit wirklich „sexistischen“ Äußerungen und Anspielungen klarkommen muss.

Und ich meine immernoch, dass Männer mehr auf visuelle Reize reagieren, während Frauen mehr auf Worte und Taten anspringen. Jetzt mal total pauschalisiert auf die Geschlechter bezogen und ohne die kleinen persönlichen Unterschiede und Mischungen zu beachten. Auch aus diesem Grund machen Männer manchmal doofe und sexistische und schreckliche Andeutungen und manchmal sehr schöne Komplimente.

Das heißt nicht, dass ich manches nicht gut finde. Und in berufliche Beziehungen gehören eindeutig zweideutige Dinge absolut nicht hinein. Da ist sowieso höchste Vorsicht geboten.

[ Letztes Jahr hatte ich für einige Monate einen Job in einem Büro und wie es so ist: manche Menschen sind einem von Anfang an unsympathisch. So der Herr M. Er machte häufig anzügliche Witze und ich galt schnell als humorlos bei ihm. Die anderen nahmen ihn so hin, ein wenig verschämt manchmal, aber auch ein wenig lachend. Da ich einige Male von Tisch zu Tisch ziehen musste, besaß ich einen Pappkarton mit allen Mappen und Ordnern, die ich für meine Arbeit brauchte. Eines Tages kam ein junger Kollege ins Zimmer, der etwas von meinen Notizen benötigte, ich bückte mich nach dem Pappkarton, der zwischen uns stand und in dem Augenblick kam Herr M. rein und sagte: „Na na na, was sehe ich denn da? Doch nicht am Arbeitsplatz!“. Ich war einfach nur geschockt und wurde rot vor lauter Scham, der junge Kollege beschwichtigte und ich empörte mich ein wenig, aber nicht genug. Ja, ich fühlte mich ungerecht und blöd und ekelhaft angemacht. Gleichzeitig auch wie gelähmt.

Ich dachte anschließend genau darüber nach und entschied, am nächsten Tag zu Herrn M. zu gehen, um ihm die Grenzen klar aufzuzeigen und ihm zu sagen, dass so etwas als „sexuelle Belästigung“ gelte. Ich hatte was zu verlieren, ja, denn ich war eine Zeitarbeiterin für einige Monate. Zur gleichen Zeit war diese zeitliche Begrenzung mein Glück, denn Herr M. hatte nach diesem Tag für den Rest meiner verbliebenen Zeit Urlaub und ich musste ihn nie wieder sehen.

Dennoch sind die Reaktionen, als ich es Kolleginnen erzählte, bezeichnend: Das müsse man nicht so ernst nehmen. So sei Herr M. halt. Ja und ich bin eben anders und möchte mir solcherart Anzüglichkeiten nicht anhören müssen.]

Ja, Sexismus sollte weniger erlebt werden müssen- definitiv! Und gleichzeitig darf nicht jedes unangenehme Erlebnis unter diesen Begriff gepackt werden. Das ist meine bescheidene Meinung dazu.