Automobil.

Gestern habe ich meine letzten Nachtfahrten absolviert- bei Regen über Landstraße, Autobahn und Stadtwege. Alter Schwede, war ich fertig danach. Dass das schonmal klar ist: bei Nacht werde ich nur im äußersten Notfall fahren (und im Winter ab 17 Uhr oder früher und morgens, wenn ich zur Arbeit muss und und und).

Jedenfalls ist die letzte große Prüfung nahe, es liegen etwa 7 bis 9 Tage vor mir, in denen ich noch üben kann. Und dann kommt das große 30-minütige Finale. Glücklicherweise bin ich immer 1,5 Stunden am Stück gefahren und erfahrungsgemäß hat sich gezeigt, dass die ersten 30 Minuten rasend schnell verfliegen. So darf es dann auch bei der Prüfung sein.

Mein Dank geht an meinen Fahrlehrer, der es geschafft hat, aus einem Schisser eine vorsichtige Autofahrerin zu machen. Die Fahrstunden haben es geschafft, das eintönige Leben einer Arbeitssuchenden ein wenig spannender zu gestalten. Eigentlich sind doch fast alle Fahrlehrer große Redner, oder? Und der mich immer wieder zwingt zu überholen, auch wenn es mir hinter dem lahmen Fahrzeug zu gut geht. Der in Situationen, wenn ich Mist baue, ruhig bleibt und fragend sagt: „Warum hast du dies die Kupplung, das Gaspedal, Bremse getreten getan, das ist doch gefährlich?“. Es bringt zwar nichts, meistens weiß ich nicht, wieso ich dies oder jenes getan habe, aber ich werde es nie nur noch selten wieder tun.

Es geht spannend weiter.

Dumm telefoniert.

 

Nach diesem Telefongespräch hätte ich an des Callcentersfrau Stelle wohl auch den Kopf geschüttelt. Ich gebe zu: ich habe nicht verstanden, wieso man mir eine Zahlungserinnerung schickt, während ich mein überschüssiges Guthaben verbrate und als ich dann anrufe, mir erzählt, ich hätte nun schon für das restliche Jahr alles beglichen. Häää? Frau Symphonee, der Dezember ist beitragsfrei für Sie. Achja? Seit wann das denn? Und was ist mit dem September? Der war doch Guthabenüberschussmäßig auch schon beitragsfrei? Nach der vierten offensichtlich unverstandenen Frage meinerseits war klar, dass ich für 2012 keine Energiekosten mehr einplanen muss. Und wehe, wehe, wenn ich wieder eine total logische Zahlungserinnerung bekommen sollte.

Dennoch fühle ich mich grad dumm.

Vielleicht bedeutet „bezahlen im September“ aber auch nur „Beitrag für Oktober entrichten“? und wir haben in netter Manier aneinander vorbeigeredet?

Ich kriege hier trotzdem ne Krise.

 

 

Wenn es klick macht.

Im Rückblick auf meine Schulzeit kommen ganz verschiedene Gefühle in mir hoch. Meine Freunde hinterlassen ein schönes Gefühl, die mündliche Beteiligung, die ich damals nicht liefern konnte, einen großen Druck, die Leute, die das Sagen hatten und angesagt waren ein nachträgliches Fragezeichen, warum ich nicht dazugehört hatte. Ich befand mich im wohligen Mittelfeld, tat aber, was ich konnte, um ein bisschen weiter vorn mitschwimmen zu können.Scheinbar jedoch nie genug, jedenfalls fühlte es sich stets sehr falsch an, wenn ich dann mal einen Ausflug in die andere Welt machte.

Gestern: Geburtstag einer ehemaligen Klassenkameradin, die weiter vorn mitschwimmen hatte dürfen, können, wollen? Und die Hälfte der damaligen Tonansager befand sich ebenfalls dort.

Ich landete in deren Ecke. Eine Psychologin, die mir bei jeglicher Unterhaltung kein Mal in die Augen schaute, sich über ihre Patienten böse ausließ und mir Tipps für Empathie von 9 bis 17 Uhr gab. Gegen Müdigkeit helfe kein Kaffee, sondern chemische Präparate, je mehr Chemie desto besser. [Ich hoffe, ich gerate nie an eine solche Psychologin, wenn es mir jemals richtig dreckig gehen sollte].

Eine Wirtschaftswissenschaftlerin, die früher jeglichen Unterricht geschmissen hatte, und nun schwanger und müde auf dem Sofa saß. Die fand ich noch sympathisch, auch wenn wir uns mehr als die Hälfte der Zeit anschwiegen. Ich fühlte mich bei jedem zweiten Satz missverstanden, als wenn wir nur eine halbe gemeinsame Sprache sprächen.

Ein Jurist, der noch der offenste und freundlichste in der Runde war, aber mit dem ich auch keine Interessen teilte. Dafür ein paar verrückte Erinnerungen, die von den anderen beiden mit starren Mienen angehört wurden, während wir darüber lachten.

Fehl am Platz.

Nach langen anderthalb Stunden floh ich aus dieser Ecke und verstand zum ersten Mal, wieso ich nie das Gefühl hatte, hinein zu passen. Ja, ich war sicherlich in manchen Dingen eine Spätzünderin und nicht so up-to-date wie die eine oder andere, aber ich hatte mit meinen zwei besten Freundinnen etwas, was ich an den anderen in dem Maße vermisste. Jede Menge Verrücktheit und Kreativität, soziale Wärme und den Mut, jünger eingeschätzt zu werden als wir waren.

Ich sage nicht, dass alle anderen doof und langweilig waren, aber gemessen an dem, was uns interessierte und was wir miteinander auf die Beine stellten, waren wir den anderen mindestens genauso fremd wie sie uns.

Das kristallisierte sich gestern sehr klar heraus. Ein paar anteilnahmslos und kühl gestellte Fragen, höflich, aber kaum mal ein bisschen witzigeren Smalltalk beinhaltend und ich hatte die Antwort auf nie beantwortete Fragen. Es hat nie gepasst.

An der anderen Seite des Raumes lernten wir ein ausgesprochen freundliches junges Paar kennen. Sie ist eine junge Lehrerin, bei der ich nach zwei Sätzen über ihre Arbeit anhörte, was Empathie wirklich ausmacht. Es ist nichts, was man an- und ausknippsen kann. [Obwohl ich mir manchmal wünschte, es zu können.]

Klick.

 

Mein eigener Schatten.

Mein Lebenselixier sind menschliche Kontakte.

Durch Ecken und Enden bin ich für zwei Tage raus aus meiner Höhle gekommen, um Menschen aus dem landwirtschaftlichen Bereich mit weniger als rudimentären Expertenkenntnissen zu beglücken, die ich mir in zehn Minuten vor Beginn der Messe aneignete. Meine offizielle Bezeichnung war die einer Übersetzerin für Englisch und Russisch, doch ich starb tausende Tode, wenn sich ein Mensch näherte, der wirklich übersetzt werden wollte. Meine Chefin, eine kleine enthusiastische Frau, war anstrengend zu übersetzen. Chemische Vorgänge sind nämlich ebensowenig mein Fachgebiet. Du lieber Himmel: ich selbst bin einfach keine Sprach- oder sonstige Expertin und meine landwirtschaftlichen Vokabeln lassen zu wünschen übrig. Doch..

Ich kann im Deutschen kommunizieren, Kontakte herstellen, lächeln und freundlich sein.. das sind meine Stärken und diese täuschten über alle Schwächen hinweg. Und meine Güte, ist der eigene Schatten nicht eigentlich dazu da, um übersprungen zu werden. Oder etwa nicht?

Nachdem ich heute morgen überlegt hatte, mich krank zu stellen und allen Hindernissen auf diesem Wege zu entfliehen, war ich abends umso dankbarer, dass ich es nicht getan hatte.  Jetzt kann ich den Mund wieder herrlich voll nehmen.

Ich spreche und träume seit gestern übrigens noch britischer Englisch.

 

 

via

Wechselbad.

Glücklich tanze ich durch die Wohnung, bin voller Elan und wundere mich gleichzeitig. Kein Sonnenschein hat mich dich letzten Tage so fröhlich werden lassen. Möglicherweise ist meine Doppelstunde Autobahnfahrt daran schuld, denn Geschwindigkeit ist für mich neben allen Ängsten wie fliegen.

 

 

Gesammelte positive Werke.

Ich hatte vergessen, wie glücklich Fahrradfahren mich macht. Seit ich keine Fahrkartenbesitzerin mehr bin, bin ich mehr auf meine Füße- ob auf dem Gehweg oder auf den Pedalen- angewiesen und es tut mir gut.

Aller Unkenrufe zum Trotz, dass ich nie schwer einen Job finden würde, bei dem man Samstags nicht arbeiten müsste, habe ich zwei wunderbare Stellen aufgetan, die genau diesen Vorteil aufweisen und auf die ich mich bewerben werde. Lichtblicke.
Mein Cowboy-Fahrlehrer hatte gestern furchtbar grummelige Laune, sein Wochenende sei scheiße gewesen und ich hatte ebenfalls keine glänzende Laune, nachdem der Auskunftgeber mich genervt angemacht hatte, sodass wir uns ungefähr zwanzig Kilometer eher anschwiegen. Dann taute er während meiner ersten Landstraßenfahrt zunehmends auf und wurde richtig gesprächig. Aber ich bin auch ein Mensch, mit dem man gern redet (mal ganz bescheiden bemerkt). Und ich werde immer zufriedener mit meinen Fahrfortschritten (auch wenn der gute Cowboy mit Komplimenten geizt).

Der Cowboyfahrlehrer scheint außerdem eine überaus große Wertschätzung gegenüber sozialen Berufen zu haben. Leider begegnet man dem nicht häufig. Das Einzige, was man ständig zu hören bekommt, ist die schlechte Bezahlung. Nun, die hatte ich wirklich nicht eingeplant (wenn man jünger ist, kommen einem manche Summen gigantisch vor). Allerdings wäre ich sowas von froh um diese schlechte Bezahlung, wenn ich sie jetzt bekommen könnte! Und in Wirklichkeit ist die Bezahlung vor allem im Vergleich zu anderen Studienberufen schlecht. Doch was lernen wir: wer vergleicht, wird eher unglücklich. Keine Vergleiche mehr!
Abends lud ich meine Nachbarsfreundin zum Ingwertee ein und hatte einige amüsant verquatschte Stunden.

Heute morgen erwachte ich mit erstaunlich guter Laune.

Während ich alles Positive sammele, kommt die Sonne hinter den grauen Wolkenbergen hervor. Ich sollte häufiger Gutes in meinem Leben sammeln.

Selbst schuld.

Wer seine Nummer für weitere Fragen in der Stellenausschreibung angibt, sollte auch mit solchen Fragen rechnen. Wer mit weiteren Fragen nicht umgehen kann, sollte weiter so unfreundlich am Telefon sein.

Guter erster Eindruck.

Das Bittere dabei ist aber, dass der Beantworter eventuell gar nicht nett sein muss, um jemanden zu finden. Dank zweier sehr nah beieinanderliegender Hochschulen, die jährlich eine gewisse Zahl sozialer Fachmenschen ausspucken, ist die Dichte der Arbeitssuchenden in diesem Bereich nicht unübersichtlich, aber gut gefüllt.

Ich überlege noch, ob ich mich bewerben möchte. Ich mag nämlich lieber freundliche Kollegen.

Neue Woche mit voraussagbaren schwierigen Tagen- und das jährlich wiederkommend im November. Ich würde gern einige Tage überspringen.

 

Die Stimme aus dem Off.

In diesem Jahr fühlte ich mich von den kalten Jahreszeiten überfallen. Eben noch fast warmes Wetter, dann schon wieder fast kalt und nun haben wir das Novemberblatt auf unseren Kalendern umgeschlagen.

Apropos Kalender. Ich gehe jedes Jahr im Januar auf Kalendershoppingtour. Leider habe ich in diesem Jahr vor lauter Veränderungsstress die gesamten Reduzierwochen verpasst und anschließend gab es kaum noch schöne Wandkalender. So gab es im Hause Symphonee keinen Wandkalender, zumindest keinen vom Jahre Zweitausendundzwölf.

Plötzlich hatte ich keinerlei Ambitionen mehr, rauszugehen, mich in Schichten zu packen, mein Fahrrad zu satteln oder zuviel zu Fuß zu gehen. Kalt. Nass. Gruschlig. Buuuh. Auf der anderen Seite kann ich nicht zu lange irgendwo sitzen, meine Beine beginnen unruhig zu werden, mein Kopf zu dröhnen, meine tausend Hummeln zu summen. Meine Empfehlung: alle Bedenken über Bord werfen und einen langen Spaziergang machen. Das belebt.

Und wenn der Liebste dabei ist, entstehen viele, viele Bilder. Von Bäumen. Und Schildern. Von Wolken, Feldern und den letzten Blümchen. Und von Symphonee.

 

 

 

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Ernüchternde Landung.

Tief in meinem Herzen tanzen große und kleine Ängste ihren Reigentanz, schlagen auf den Magen, lassen mich hibbelig werden und ohne Punkt und Komma reden. Unsichere Situationen und mein eigener Erwatungsdruck lassen den Schutzschild sinken und schon tanzen sie nicht nur im Herzen, sondern toben durch meinen ganzen Körper.

Doch manchmal bin ich plötzlich mutig und bewerbe mich als Personaltante bei einem Unternehmen, das soziale Anstriche zeigt und eine überzeugende Internetpräsenz aufweist.

Einen Tag später werde ich tatsächlich eingeladen, um daraufhin eine Woche zu überlegen, wie ich mich auf das Gespräch vorbereiten sollte. Möglicherweise wird man mich bitten, ein Einstellungsgespräch nachzuspielen? In jedem Fall weiß ich alles über das Unternehmen, über mich und kann meinen Quereinstieg logisch erklären.
Ich hätte es mir sparen können.

Der äußere Eindruck war unaufgeräumt und von Kommen und Gehen geprägt. Ich mag lebendige Arbeitspätze. Gut. Zwischendrin sprechen die Mitarbeiter miteinander polnisch. Ich verstehe ein bisschen polnisch, aber höflich ist das nicht. Ich muss fünfzehn Minuten warten, um dann zwei Etagen höher wieder warten zu dürfen. Währenddessen läuft ein rauchender Mitarbeiter durch den Flur. Ein mittelalter Mann schlurft auf mich zu, nennt meinen Namen, gibt mir jedoch nicht die Hand und beginnt einen Raum für das Gespräch zu suchen. Wir landen in einem verlassenden, nach Zigarettenrauch stinkenden Raum und setzen uns. Der Akzent des Geschäftsführers ist vorherrschend, er fordert mich auf, etwas über mich zu erzählen. Er gähnt dabei. Entweder hat er zu wenig Schlaf bekommen oder er steht unter Medikamenteneinfluss. Seine Augen wirken nicht ganz wach und seine schleppende Art zu reden irritiert mich.

Wollen Sie Kinder? Schon 2013? Können wir nicht gebrauchen. Das sei ein harter Job. Ohne Feierabend. Immer Bereitschaft. Zuständig für viele Mitarbeiter- allzuständig für viele Mitarbeiter.

Ich bin erleichtert. Das Unwohlsein wurde mit jeder Minute größer und die Bedingungen eines „harten Jobs“ halten mich ab, zusagen zu müssen. Nein, ich brauche Feierabende und Freizeit. Das Leben an sich gefällt mir. Ich sage ab und trete erleichtert in die Freiheit.

Nunja. Zumindest für dreißig Minuten. Anschließend darf ich Autofahrenüben. Und das ist der Start für eine weitere Folge von „Symphonee setzt sich erfolgreich unter Druck“. Tadaaaa. Ich hätte mir nach dem Gespräch freinehmen sollen.

Nun kommt ihr ins Spiel: erzählt mir, dass ihr gebraucht habt, um alles beim Fahren unter einen Hut zu bringen und dass es normal war und dass ihr auch mal Angst hattet und dass ihr trotzdem irgendwann die Prüfung geschafft habt. ERMUTIGUNG!