Manchmal..

.. würde ich gern durch die Weiten des Internets gebeamt werden und diesen einen Leser, der vielleicht zufällig und noch nicht einmal deutsch verstehend, vielleicht aber auch gerade im Urlaub oder auf der Suche nach einem sprachlichen Austausch aus der Türkei hier vorbeigeschaut hat.

Ich beginne von Istanbul zu träumen, das ich gern bereisen würde, vom Schwarzen Meer und von alten und jungen Menschen, die auf Stühlen am Rande der Straßen sitzen und das Leben passieren lassen.

Wir leben in einer nahezu grenzenlosen virtuellen Welt, aber meine Füße sehnen sich danach, noch viele verschiedene Erden unter sich zu spüren. Mit beiden Beinen auf der Erde.

 

Ein Sekundenausschnitt meiner gefühlten Gedanken.

Die Welt liegt mir zu Füßen, ich habe unglaubliche Möglichkeiten, gespannt erwarte ich zu bewerbende Stellen, denn mein Jahr der Anerkennung neigt sich dem Ende zu.

Und dann kommen sie. Eine nach der anderen. Mit immer mindestens drei Anforderungen, die ich nicht erfülle. Zusatzqualifikationen von Jahren und tausenden von Euro- bitte nachweisen. Bitte nachweisen. Ein Studium mit staatlicher Anerkennung – die immerhin ein Jahr Berufserfahrung mit sich bringt – scheint nicht genug zu sein. Ein eigener PKW, der für die Arbeit genutzt werden muss, mit vorher gemachtem Führerschein, natürlich. Meine gefühlten Möglichkeiten schrumpfen.

Und dann die erste Absage, die mich wieder erinnern lässt, wie die Zeit der Arbeitssuche sich anfühlen kann. Ja, es passte noch nicht einmal zeitlich für mich, aber eine Absage ist zunächst eine offene Kampfansage. Ich muss mehr einsetzen und wieder mehr an meinem Selbstbild reparieren, das leider von kleinen Pfeilen allzu schnell zerkratzt wird.

Was könnte ich tatsächlich leisten? Mehr als ich glaube? Bin ich allen Anforderungen gewachsen? Sollte ich nicht lieber schnell in ein Aushilfsdasein fliehen, eines, das mich immer unbefriedigt meine Arbeit tun lässt, aber auch so schön ohne größere Verantwortungen vor sich hin dümpelt?

Die Zeit wird es zeigen. Glücklicherweise gebe ich diesen Gedanken nur noch wenig Raum- Sekunden- und dann habe ich genug Mut, den ich zusammennehmen kann, um weiterzuschauen. Vielleicht habe ich unglaubliche Möglichkeiten. Welcherart auch immer..

Angstfrei.

Sie hat es alles andere als einfach. So wenig wie die vielen Kinder, die die gescheiterten Lebensverbindungen ihrer Eltern durchstehen müssen und im schlimmsten Fall noch ihre Streitereien, die sich jahrelang hinziehen.

Feinfühlig für die Stimmungen anderer, jedoch alles andere als sensibel, wenn es darum geht, die gute Mitte im Umgang mit ihnen zu finden, ist sie vorangig einsam, vorangetrieben von einer ehrgeizigen jungen Mutter, die gerade lernt, geschickt mit ihrer Tochter umzugehen.

Während die ersten vier Monate unserer Beziehung von Machtkämpfen bestimmt waren, Hoch und Tiefs durchstanden, durch schmerzhafte Grenzerfahrungen vor allem für mich gingen, erwarb ich mir eine Haltung. Eine dieser Dinge, die man weder theoretisch lernen noch aus dem Lehrbuch anwenden kann, sondern die man sich erarbeitet. Stein für Stein.

Man mag es kaum glauben, aber ich würde gern an einer Schule arbeiten. Oder gezielt mit Kindern, denen es an Zuwendung, Richtung und Grenzen mangelt. Tatsächlich- mit Kindern und Jugendlichen.

Und heute habe ich versucht, für sie zu zaubern, die Traurigkeit und am besten ihre Ursache wegzuzaubern, stattdessen kam ein Körbchen Äpfel dabei raus, ein Teller selbstgekochter Milchreis und zwanzig Minuten in einer von mir geschaukelten Hängematte. Ein guter Deal für sie, der mir mit „vor Lachen das Wasser ausspucken müssen“ gedankt wurde. Und ein perfekter Tausch für mich.

Danke für den Kampf um die Haltung mit mir.

 

 

Von Bedeutung.

Je mehr Selfmade-Blogs ich lese, desto genauer weiß ich, was ich besser nicht in meinen Balkon-Kräuter-und-Gemüse-Kasten gesetzt hätte. Die Pfefferminze scheint eine gierige Zeitgenossin zu sein. Hätte ich ein aktuelleres Bild für euch (also anderthalb Wochen später geschossen), würdet der Basilikum sich ergeben in seine Ecke verkrochen haben, um der Minze die Vorherrschaft zu lassen.

Doch mein Liebling ist die Tomate, die unter den schwierigsten Bedingungen aufwachsen muss. Nicht genug, dass es sie auf einen Schattenbalkon verschlagen hat, nein, dann muss es kurz nach ihrer Migration auch noch um fünfzehn Grad kälter werden. Außerdem spielt der kräftige Wind ihr übel mit, einmal musste sie eine ganze Nacht am Boden liegen, weil sie von ihrer Halterung losgerissen worden war.

Dafür wurde sie anschließend liebevoll aufgehoben und ihr ist über die Blätter gestrichen worden. Sie darf wissen: sogar, wenn sie keine Blüten bekommen sollte und keine einzige Tomate von ihr gepflückt werden kann, sie wird doch immer die erste eigens gepflanzte Tomate gewesen sein, die auf meinem ersten eigenen Balkon wachsen durfte.

Dazu ist sie ein Geschenk von meinem Vater an mich: ein kleines liebes Zeichen von ihm trotz vieler kleiner Steinchen auf unserem Beziehungsweg.

Geschüttelt und gerührt.

Ich sollte aufhören, Do-it-yourself-Blogs zu lesen. Vornehmlich diejenigen, die Essen, Süßes, Zucker, Schokolade und diverse Kuchen produzieren wie am laufenden Band. Denn sogar während ich mir einrede, Konservierungsstofffreie Süßspeisen wären nur halb so schlimm, scheinen Zumba und wieder entdecktes Joggen nicht so anzuschlagen, wie ich hoffte. Einerseits. Andererseits sage ich mir mit zunehmendem Alter (die dreißig winkt mir nächstes Jahr): Liebe Symphonee, entweder du beginnst dich zu akzeptieren, wie du bist oder du nimmst ab und modifizierst deine vorhandenen weiblichen Kurven. Punkt.

In diesem Sinne rühre ich mir gerade eine kalte Süßleckerei a la titatoni zusammen, um nachher noch zu nachlassendem Regen laufen zu gehen.

Aber wer wie ich den Sonnenaufgang aus einer fahrenden Straßenbahn hat beobachten dürfen, braucht am darauffolgenden Tag entweder fettig oder süß. Oder beides.