Friseurbesuch.

Ein großer Graben liegt zwischen der Zeit danach und der Zeit bis dahin. Wieviel Zeit genau dazwischen liegt, lässt sich nur erahnen. Babies kommen, dann wann sie wollen oder wann der Körper der Mutter es möchte oder wenn Vollmond ist. Aber sie kommen immer irgendwann. Die Kunst, den perfekten Zeitpunkt für den letzten Kino-, Frühstückdate zu zweit oder Friseurbesuch zu finden, beherrsche ich wohl. Schließlich habe ich die eben genannten Dinge schon geschafft, ohne dass ich mittendrin Mutter geworden wäre.

Zudem habe ich einem Friseur scheinbar einen Sinn für einen einsamen Abend geschenkt, ohne dass dies beabsichtigt gewesen wäre. Den neuen schwangeren Lebensabschnitt feierte ich mit einem Longbob, der mir außerordentlich gut steht. Er erfordert zwar auch mehr Arbeitsschritte, aber wenn das Baby da ist, habe ich ja massig Zeit (Ironie off).

Ich betrat relativ spontan um 19 Uhr den Friseurladen, bei dem es keine Termine zu vergeben gibt und wurde von einem männlichen Friseur begrüßt. Verloren stand er in dem Laden, kein anderer bei ihm und auch kein einziger Kunde weit und breit zu sehen. Die Chancen auf einen dringend benötigten Schnitt und Ansatztönung erhöhten sich rapide. Graue Haare am Ansatz können vielleicht noch gerade ertragen werden, aber da ich aktuell keine Schuhe mit Absatz trage und niedliche 1,58 m groß bin, begegnet es mir immer wieder, dass die Blicke größerer Gesprächspartner an den grauen Haaren hängen bleiben. Und ich bin eitel. Die Eitelkeit habe ich zwei Monate lang überwunden. Aber genug ist genug und wenn Baby erst einmal da ist, gibt es erstmal sicher keine entspannten Friseurbesuche mehr zum Ansatztönen.

Auf meine Frage, ob schneiden und tönen zeitlich drin wäre, antwortete der einsame Friseur erfreut „Aber ja!“ und machte sich sofort ans Werk.

Und er wusch, schnitt und schnitt und schnitt und schnitt, mischte die Farbe, tönte sorgfältig, wusch und pflegte und schnitt wieder. Eher wortkarg, was ich bei einem Friseur oft schätze, gab er sich seiner Arbeit hin. Die ersten anderthalb Stunden fand ich es noch entspannend, auch wenn es mich leicht beunruhigte, dass er Überstunden in Kauf zu nehmen schien. Aber da der Friseur schon erwachsen und somit groß zu sein schien, schob ich die Bedenken zur Seite. Was sollte ich auch tun? Mit halbem Schnitt nach Hause gehen? Die Tönung selbst in die Hand nehmen? Dann sprach ich ihn nach einem Blick auf mein Handy darauf an, dass er ja scheinbar länger arbeitete als er müsste. Schließlich hatte er inzwischen über eine Stunde Arbeitszeit drangehängt. Der Friseur murmelte etwas davon, dass er keine Familie habe, die auf ihn daheim warte und man müsse sich halt auch nach den Kunden richten. Ähmja. Okay, wenn ich mit meinen bescheidenen Haaren seinem Leben ein Stück mehr Sinn geben konnte – bitteschön, gern geschehen. Als das Werk dann vorzeigbar war, wurde er leicht nervös. Ja, ich hatte meinen Schnitt, wohlbemerkt einen Longbob, nachschneiden lassen wollen. Das, was sich auf meinem Kopf präsentierte, war ein klarer kurzer Bob. Da dieser mir wirklich gut stand und ich innerlich froh war, dass jemand mir endlich mal die Entscheidung für einen Kurzhaarschnitt abgenommen hat, war aus meiner Sicht alles gut. Der Friseur wollte den Schnitt aber nun perfekt haben und schnitzte, rasierte, schnibbelte und es wollte gar kein Ende mehr nehmen. Nach drei Anläufen, ihm klar zu machen, dass ich wirklich zufrieden bin, sagte ich resolut: okay, es ist halb zehn, ich muss nun gehen. Danke und auf Wiedersehen.

Vor so viel Entschiedenheit musste sogar der Perfektionist in dem Friseur in Ehrfucht erstarren und er ließ mich ziehen.

Und nun laufe ich mit einem wirklich perfekt geschnittenen Bob durch die Weltgeschichte und sammele Komplimente (auch von meinem Liebsten, den mein anmutiger nun sichtbarer Nacken sehr entzückt) ein. Das gefällt mir. Sobald das Baby da ist, wird dieser Bob mich über so manchen Frisurengpass retten. Ganz bestimmt.

Sommergefühle.

Summer

 

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Sehnsüchtig blicke ich dem Sommer hinterher, ungetröstet ob der Tatsache, dass in einigen oder vielen Monaten der nächste wieder vor der Tür stehen wird. Helle Tage, warme Winde, die meine braungebrannte Haut streicheln, frische Luft und Blätterrauschen wechseln sich im meiner Erinnerung. Die Nachbarin aus dem Haus die Straße runter, die mit herrlich französischem Akzent zu einem Aperitif einlädt, weil man ihr und den Kindern beim Kofferheimrollen geholfen hat. Musik unter freiem Himmel und das mitreißende Gefühl, wenn etwas einem ins Herz spricht. Zart beginnende Morgen und Fahrradwege zur Arbeit bis das Fahrrad vom Liebsten repariert wurde und von da an die Gangschaltung freies Fahren unmöglich machte. Das verlängerte Wochenende in Leipzig voll Sonne, marschierter Kilometer, die eine beste Freundin, die nun auch dreißig geworden ist und das gebührend feierte. Ein Balkon zum Grillen, Pflanzen und Ernten. Tomaten vom Balkon, die den Mund mit würziger Süße füllen und eine feste Schale präsentieren. Unglaubliche Hitze, die am neu entdeckten Freibadsee am besten zu ertragen war und anschließend eine große Ofenkartoffel mit Kräuterquark und ein Radler dazu. Tante werde und das Wunder des Lebens betrachten, was unmittelbar den Kinderwunsch schürt und Erinnerungen weckt, die vor einem Jahr den Sommer beschlossen. Versuche, im Hier und Jetzt zu leben, weniger im Damals und in dem, was noch kommen mag. Ein später, aber erfüllter Sommer, immernoch und hoffentlich für immer mit meinem Liebsten.

Kinder, Kinder.

Es werden ständig Kinder geboren. Sie erblicken reihenweise das Licht der Welt und inzwischen werden zunehmends mehr Menschen in meinem Umfeld Eltern. Es rückt näher. Hautnah. Besonders, wenn die eigene Schwester schnwanger ist und ihr Bauch  zu einer niedlichen prallen Kugel wächst. Hautnah erlebe ich die Verwandlung einer jungen Frau zu einer werdenden Mutter. Die schönen und die anstrengenden Seiten. Geschwollene Beine voller Wasser bei Sommerwetter, erste Klopfzeichen an die Außenwelt, Sorgen und Freude nah beieinander. Ich glaube, das ist ein Merkmal für das Elternsein. Die Verantwortung neben der Unfassbarkeit der Tatsache: zwei Menschen haben sich vereint, um einen hervorzubringen, der eine Mischung ist und doch wieder jemand ganz Neues. Gänsehautfeeling.

Als mich am Dienstagabend die Nachricht ereilte, dass ihre Fruchtblase geplatzt sei, wurde mir kribbelig zu Mute. Man kann in diesen Augenblicken (..Stunden und Tagen..) nur warten und hoffen. Zweiundhalb Stunden später war er da (wirklich rasend schnell für die erste Geburt!). Mein erster kleiner, süßer, rotgesichtige Neffe. Herzig. Und ich durfte beobachten, wie meine Schwester vor meinen Augen zu einer Mutter wurde. Manchmal noch ein wenig unbeholfen, aber doch wieder so selbstverständlich. Die Eltern sind nun nie mehr zu zweit, sondern zu dritt oder zu viert oder zu fünft oder… Das erste Kind in unserer Familie ist da. Herzlich willkommen!

Ja, der große Zuwachs hat begonnen: es gibt zwei weitere Schwangerschaften. Und nein, ich bin nicht unter den Glücklichen, mein Kind ist erst einmal die Karriere. Oder das Fundament einer Karriere. Schließlich werde ich dieses Jahr schon dreißig und irgendwas war da, vonwegen Großfamilie und Haus voller Kinder und Lachen und Garten und all die Wünsche, die einem manchmal erstrebenswert vorkommen. Dafür sollte man aber erstmal beginnen.

Auf all die Kinder, die noch in diese Welt hineingeboren werden. Mögen sie es gut haben.

Die verlorene Bloggerseele.

Einst schrieb ich regelmäßig in ein Hardcoverbuch mit Blümchen, in blau oder gemustert, ganz schnöde mit einem Kuli oder Füller. Es gab mehr oder weniger zu erzählen, aber das war auch egal, denn ich war die einzige Leserin meines Geschreibsels. Und dann kam das Internet in mein Leben und ich eröffnete 2004 meinen ersten Blog unter meinem echten Namen, mit Bildern und sehr persönlich, aber niemals ein Ersatz zu den Gedanken, die ich in der Abgeschiedenheit für meine eigenen Augen festhielt. Ich gehörte also mit zu der ersten Bloggergeneration, möchte ich mal behaupten.

Nach dem Internet kam mein Liebster in mein Leben, der meinen Blog erst einmal sehr hoch lobte und sogar seinen Freunden davon erzählte. Es wurde zu einem Wesen, das Neuigkeiten und Erlebnisse erzählte und wenn die Person dahinter sie erzählen wollte, wusste die halbe Menschheit schon längst davon. Mein Blog gedieh und wuchterte irgendwann vor sich hin. Wo war nur die Grenze zwischen realem und virtuellem Leben geblieben? Einige Jahre später kamen auch Zweifel vonseiten meines Liebsten, dass er doch auch nicht mehr so gern im Internet unter seinem echten Namen erscheinen würde. Dann kam ein verschmähter Verehrer dazu, der begann, mich über den Blog zu „stalken“ und mir wurde vollends das Ausmaß eines öffentlichen Internetlebens klar.  Zu spät – einmal losglassen, bleibt nur noch das Löschen, um etwas für die große breite Masse unsichtbar zu machen. Sehr schweren Herzens löschte ich mein Baby in seiner Gesamtheit (und bereue bis heute bitterlich, dass ich noch nicht einmal Teile davon für mich gespeichtert habe – wobei die bei den vielen Festplattencrashs sicher inzwischen ebenfalls verlorengegangen wären).

Das Tagebuchschreiben auf Papier ist gestorben, Tagebuchschreiben auf Wordpapier ohne dass es jemand liest, ist mir leider inzwischen zu wenig und meine Bloggerseele hat eine Blockade, der ich nicht auf den Grund gehen kann. Aber das Schreiben fehlt mir. Wenn der Drang danach zu stark wird, setze ich mich nieder, öffne den Unterpunkt „neuen Artikel erstellen“ und beginne im besten Falle gleich zu schreiben. Dann lese ich die ersten Sätze und frage mich unweigerlich, ob ich melancholisch bin. Ja, die melancholische Seite gehört zu mir, aber im Alltag kommt sie doch selten zu Tage. Wer mich kennenlernt, meint eine Optimistin und ungetrübte Gute-Laune-Seele zu treffen. Die ist auch zu großen Teilen vorhanden, aber das Melancholische ist verborgen da und kommt scheinbar nur beim Schreiben heraus. Das gefällt mir nicht, denn eigentlich möchte ich auch sagen „Hallo Leute, mir geht es hervorragend. Das Leben läuft und bietet mir nur ab und an einen vermeintlichen Stolperstein. Ich bin zufrieden- meistens- und wenn ich was habe, arbeite ich daran und kümmere mich darum. Ja, ich habe mich selbst im Großen und Ganzen endlich gefunden. Super! Toll! Jippieh. Schaut euch mein spannendes Leben an- hier sind die Bilder. Juhu.“ . Doch dann fließen pathetisch klingende Sätze, abgeklärte Phrasen und melancholische Spitzen aus mir heraus. Ich stehe am Scheideweg: akzeptieren und diese ganze Bloggergeschichte aufgeben oder das, was aus mir herauskommt, aufschreiben und der halben Menschheit präsentieren (Hallo, meine paar treuen Leserinnen!)?

Ich habe mich nicht entschieden. Und hoffe immernoch, meine verloren geglaubte Bloggerseele an der nächsten Straßenecke wiederzutreffen und sie herzlich in meine Arme schließen zu können. Bis dahin verspreche ich nichts und verliere die letzten paar Leserinnen. So ist das Leben.

Vertrödelt mit Sinnvollem.

Zuviel Freizeit lässt diese sinnlos erscheinen. Weniger Freizeit macht jede freie Minute wertvoller. Ausgebuchte Freizeit lässt nicht durchgeplante Tage zu Entspannungsoasen werden. Doch erst einmal muss ich mein Trubeldefizit wieder auffüllen.

Ich liebe den Trubel, aber brauche ebenso viele Momente für mich, damit ich durchatmen kann. Jeden Abend nach der Arbeit unterwegs zu sein, überfordert mich nach einiger Zeit. Mich in bequeme Klamotten einzuhüllen, nichts denken, nichts beantworten, klären und sagen zu müssen, entspannt mich. Seit kurzem habe ich den Ausdauer- und Gerätesport im Fitnessstudio für mich entdeckt. Mein Körper fühlt sich angenehm ausgepowert und gleichzeitig erfrischt an. Tatsächlich. Ich hätte nicht gedacht, dass ich gern hingehen würde. Gemeinsam mit meinem Liebsten macht es mir sogar Spaß. Ich hoffe, dass ich Bewegung endlich ganz in meinen Alltag integrieren kann. Und dann das Radfahren am frühen Morgen- frische Luft, zwitschernde Vögel, gestresste Autofahrer und ich fliege an ihnen vorbei, weil ich mich nicht stressen muss (zumindest, wenn ich rechtzeitig losfahre). Mein Kreislauf kommt in Schwung, ich atme viel Sauerstoff ein.. aber noch besser ist das Radfahren nach der Arbeit: die Entspannung in den Beinen, im Rücken und im Kopf, wenn ich gleichmäßig in die Pedale trete, meinen Gedanken freien Lauf lasse, vorankomme. Ja, ich genieße den Frühling und das Gefühl, wichtige Entscheidungen endlich getroffen zu haben, dieses Jahr zu genießen und Neues auf mich zukommen lassen zu können.

Ich schreibe gern. Und dennoch scheint es nicht mehr das Medium zu sein, das mir einst so half. Meine echten Tagebücher ruhen seit Jahren. Der Blog ist eine Mischung aus Wollen und Müssen geworden- ich will gern schreiben, aber wenn das leere Schreibfenster vor mir auftaucht, verstricke ich mich in zu viele Gedanken und meine treibenden Gefühle verschwinden ins Nichts. Dieser seltsame Zustand gefällt mir nicht, denn das Schreiben gehört zu mir wie das Radfahren und die leichte Melancholie zuweilen.

Vielleicht ändert sich etwas. Vielleicht bleibt alles beim Alten. Mit diesen bedeutungsschweren Worten verabschiede ich mich ins wahre Leben und genieße den 1.Mai, die kulturelle Vielfalt, meine Freunde und Familie und die alles erleuchtende Sonne.

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Empfindlichkeiten.

Unser Freund ernährt sich seit acht Monaten vegan. Keine Milch, Butter, Eier, Frischkäse und natürlich kein Fleisch mehr. Gut, ein bisschen Umdenken beim Kochen ist okay und absolut machbar für mich. Und er bringt immer viel mit, was er essen könnte. Trotzdem schwingt immer, ohne dass er predigen würde, ein Vorwurf mit. Ich esse besser als ihr. Womöglich bilde ich es mir auch ein. Ganz bestimmt bilde ich mir das ein. Dennoch fühlte ich mich in diesem zarten Empfinden sehr bestätigt, nachdem er anfing, meinen Körperumfang anzusprechen.

Wir sitzen zu fünft beisammen- seit vier Tagen haben wir Besuch von drei jungen Männern, die in unserem Durchgangszimmer schlafen und dementsprechend groß ist inzwischen mein Wunsch nach dem Alleinsein. Nervige Angewohnheiten stechen zusehends mehr hervor und werden zu Bergen, wenn man viel Zeit miteinander verbringen muss.

Dieser Freund sitzt nach dem Essen am Tisch und sagt: „Vor anderthalb Jahren habe ich euch besucht, da hattet ihr total abgenommen.“. Ja, sage ich, wir hätten uns abends Kohlenhydratfrei ernährt. Das sei aber eingeschlafen, weil es durch einen Jobwechsel meinerseits herausfordernder geworden sei, abends ohne Kohlenhydrate zu kochen und den späten und langen Heimweg ohne etwas zu essen zu überstehen. Dass es meistens Brötchen, Brot oder anderes Gebäck gewesen sei, habe etwas mit der Verfügbarkeit von Lebensmitteln auf dem Weg und Bequemlichkeit zu tun gehabt. Ich erkläre und entschuldige mich inzwischen für etwas, das ihn überhaupt nichts angeht. Mein Liebster allerdings sei sehr im Stress und da würde er zunehmen (aber ihn verletzt es auch nicht, wenn jemand zu ihm sagt, er habe zugenommen). Er bohrt weiter nach und bringt dann den krönenden Abschlussatz: „Und als ich euch dann wieder besucht habe, hattet ihr beide ganz schön zugenommen.“. Erstmal nur eine Feststellung. Und doch eine Sache, die man mir gegenüber nicht erwähnen darf. Ich ziehe mich aus dem aufgezwungenen Gespräch zurück, endlich merkt er das auch und fragt leicht verunsichert: „Das darf man doch sagen, oder? Vielleicht hat der Andere das nicht gemerkt und man macht ihn darauf aufmerksam? Oder was meinst du, Symphonee?“ Ich antworte, dass jeder normale Mensch merkt, wenn er zugenommen hat und es nicht gesagt bekommen möchte, stehe auf und gehe weg.

Ich bin ehrlich verletzt und weiß selbst, dass es kaum einen Grund gibt, es zu sein. Ja, ich habe einige Kilogramm zugenommen und ich weiß das ganz genau. Ich fühle mich nicht gerade wohler als zuvor, aber ich sehe normal aus, leide nicht unter Adipositas und habe nur wenig Übergewicht. Und auch wenn dies alles zutreffen würde, müsste man mir das doch nicht sagen, oder? Ich fühle mich als „schlechtere Frau“ und hässlich, nur weil ich zugenommen habe? Was stimmt nicht mit mir? Und wieso geht es vielen Frauen so?

Bis jetzt bohrt in mir das, was er ausgesprochen und ich schon länger gedacht und gewusst habe. Mag sein, dass ich nicht ganz so im Einklang mit mir selbst bin, wie ich vorgebe, zu sein. Mein Liebster sagt immer wieder, dass der Schlüssel darin liegt, sich selbst zu lieben und zwar so wie man ist. Wenn das denn so leicht wäre..

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Symphonee’s weekly #8

_Gesehen_  Auf den Spuren der Nomaden“ – eine sehr authentisch und ehrlich erzählte Abenteuerreise / ein bisschen „Hulk“, ein bisschen „Bad Boys II“ – ich habe gerade eindeutig kaum Geduld, ganze Filme vom Anfang bis zum Ende zu sehen / beeindruckender Teil über Stadtgewächshäuser in der Samstagsdokumentation bei vox / Big Bang Theory zum Gesunden

_Gehört_  EnJoy und Hit Radio Antenne

_Getan_ Haare gefärbt (mag ich nicht, aber habe damit nun mal wegen beginnender Ergrauung angefangen) / einen Familiengeburtstag gefeiert / geruht / spazieren gegangen / viel israelischen süßen Wein bestellt / Frühlingsdeko gebastelt

_Gelesen_   „Der verbotene Ort“ von Fred Vargas begonnen – ich liebe diese skurillen verschrobenen Charaktere / neue Blogs über Balkongärtnerei

_Gegessen_ Sonnenblumenkernbrot mit Maasdamer und Möhrchen / Chinanudeln mit Hühnchen / Nudeln Bolognaise (einmal echt und einmal mit Tofu) / Restelasagne / Möhren-Tomaten-Salat / Paprikasalat mit Mozzarella / Aladiki / Schuba / Geburtstagstorte

_Gelacht_ auf der Arbeit / über so manchen Harlem Shake

_Geplant_ Süd-Frankreich / Fitness ab April / Balkongarten / Auffrischungen in unserer Wohnung

_Gekauft_ Tropfen gegen verstopfte Nasennebenhöhlen / schöne Jalousie / Pflanzensamen

_ Geärgert _ über Pickelplage auf der Stirn und gleichzeitige trockene Stellen im Gesicht (ebenmäßige Haut, wo bist du hin!?) / über Schnee am 17. März (da dies der Geburtstag einer langjährigen Freundin ist, weiß ich ganz genau, dass es an diesem Datum meistens schön und warm war) / Verzögerungen

_Gefreut_ darüber, dass ich mich besser fühle / Sonnenstrahlen / Sommerpläne / über eine  Zusage zu einer neuen Stelle

_ Gewünscht_ Frühling, Frühling, Sommer / bald mit dem Sport beginnen zu können (die NaNeHöEntzündung sollte schon weg sein) / ein Häuschen mit Garten, in dem ein Haufen unserer Kinder spielen und ich Unmengen an Gemüse und Obst und Kräutern ernte / Temperaturen zum Fahrradfahren

 

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Erstes Fazit nach vier Tagen.

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Ein herausragend wertschätzender Mensch kann einen besonders wenig wertschätzenden Menschen überdecken. Das ist das Erste, was ich bei meiner neuen Stelle gelernt habe. Die Wertschätzung in Person arbeitet nicht da, wo ich bin und ich werde von einem Relikt eingearbeitet, das eine Mischung aus schlechter Erfahrung, Angst vor Kontrollverlust und Frauen besteht.* Das heißt nicht, dass der ältere Herr nicht auch gute Seiten hätte, aber meine Erwartungen an das Team aufgrund meines Gesprächs sind doch sehr erschüttert. Das Team besteht noch aus einem eher zurückgezogenen jungen Mann, der freiwillig kaum ein Wort mit mir wechselt, einer mittelalten Dame, die sich nach meiner Ankunft krankgemeldet hat, einer lieben Hauswirtschafterin, die offensichtlich vom Relikt genervt ist und einer Honorarkraft, die selten da ist, aber die ich sympathisch finde. Gruppendynamiken interessieren mich und sind mir in der ersten Zeit inzwischen wichtiger als die Arbeit an sich. Aufgrund einer schlechten Erfahrung versuche ich mich so gut es geht zu schützen, um nie wieder unter die Räder irgendeines geltungssüchtigen Menschen zu kommen.

Mein Gefühl für die anstehende Arbeit ist jedoch ausgesprochen gut. Wertschätzung ist bei der Arbeit mit Menschen, die noch so gut wie nie im ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen durften, von enormer Wichtigkeit. Ich habe viele Freiheiten, bin für fünf TeilnehmerInnen zuständig und habe für meine ersten vier Tage vieles schnell übernehmen können. Mein Anerkennungsjahr hat mich gefühlsmäßig weit gebracht. Und als Berufsanfängerin sprühe ich vor Enthusiasmus und Hoffnung. Ich finde, das muss es geben- dafür sind junge Kolleginnen gut.

Nichtsdestotrotz nehme ich weitere Vorstellungsgespräche wahr. Ein Grund dafür ist schon die Befristung, obwohl die sehr wahrscheinlich um eine weitere Befristung verlängert wird. Bildungsträger stellen immer befristet ein. Irgendwie fühlt sich der Bereich für mich nicht wirklich „angekommen“ an. Ich warte jedoch ab, versuche das Eine oder das Andere und gebe sowieso mein Bestes.

* Am ersten Tag erzählte er mir seine langjährige Mobbinggeschichte, die ihn krank und bitter gemacht hat. Das tut mir wirklich im Herzen weh, aber leider hat dieser Mensch meiner Ansicht nach einige destruktive Strukturen übernommen- wenn er sie nicht schon vorher an den Tag gelegt hatte..

Abgeschossen.

Wie ein schon seit Monaten gespannter Flitzebogen, ist all das Angespannte abgefeuert worden und ich weiß wieder, wie sich ein entspannter Bogen anfühlt. Erst nach dem entscheidenden Moment merke ich, wieviel Tonnen ich mit mir herumgeschleppt habe.

Die Übersetzung hat sich ausgezahlt, eine zu tilgende Schuld ist zu Ende gegangen, ein Lichtlein tut sich am Horizont des Jobhimmels auf und ein Mensch, mit dem ich vor Jahren das letzte Mal zu tun hatte, rief mich an um sich ein offenes Ohr von mir zu leihen. Letzteres ist in Zeiten der Ereignislosigkeiten etwas Besonderes: die Person hat sich nach so langer Zeit an mich erinnert und mich um ein Gespräch gebeten.

Außerdem ist das Laptop-Problem geklärt und ich besitze wieder eine Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel, mit der ich erstmal meine mir altbekannte Stadt von A bis Z abfahren werde.

Ich atme sehr tief auf.

Am Schopf herausgezogen.

Manchmal, wenn ich mich tagsüber allein fühle, ist der Winter zu dunkel, das Warten dauert zu lang und ich beginne zu jammern. Auf hohem Niveau, natürlich. Eigentlich kann man in unserem Land fast nur auf hohem Niveau jammern. Das weiß ich. Und dennoch knabbert zuweilen die Dunkelheit traurig an mir.

Etwas Neues muss also her.

Gespräche, Austausch, menschliche Wärme und sei es nur ein Lächeln geben mir Energie*. Aus diesem Grund gedachte ich meine ungewollte Auszeit zu nutzen, um irgendwo ehrenamtlich einzusteigen. Also vereinbarte ich einen Termin im Freiwilligenbüro, ging die sechs Kilometer zu Fuß hin (die öffentlichen Verkehrsmittel werden immer teurer!) und bekam drei Nummern für zu organisierende Weihnachtsfeiern. Alles andere, was ich interessant fand, könnte zu lange dauern und ich dann zeitlich wieder voll eingespannt sein. Schade eigentlich. Mal sehen, was daraus wird.

* Ich habe durchaus auch eigene Kontakte in meinem Leben. Die arbeiten jedoch momentan, sind zeitlich voll eingespannt und können deshalb nur ab und an für einige Stunden Zeit mit mir verbringen. Mein Liebster ist in seinem eigenen Klausuren-/ Schul- und Arbeitsstress, so dass er die sowieso schon kurzen Abende am Schreibtisch verbringt. Nur das Wochenende ist von Menschen erfüllt. Das genieße ich dann umso mehr.