Symphonee’s weekly #irgendwas

_Gesehen_  Good Will Hunting / Die Heute Show / Let’s dance (bis ich nach dem dritten Tanz eingeschlafen bin) / Reportage über Cheer Leading / New Girl / House of Cards

_Gehört_ meine ureigene Playlist auf dem Smartphone / Bling bling von Seeed / My baby left me von Rox / Raaadio

_Getan_ Windeltorte gebacken / Bilder mit meiner jüngsten Schwester geschossen, um sie bei Kleiderkreisel einzustellen (ja, ich bin grooß im Geschäft) / Fitness / Arbeit abgeschlossen / Manhattan Cheesecake gebacken / Babyparty gefeiert / Gitarrenunterricht gegeben / geshoppt / Steuererklärung auf den letzten Drücker / Bücherei besucht

_Gelesen_  Blogs / Internetartikel über das bedingungslose Grundeinkommen / tweets en masse

_Gegessen_ Pilzcremesuppe / Nudeln mit Gemüse / Rhabarberkuchen / Regenbogenforelle mit Kartoffelspalten und Salat / Hühnchensalat/ Manhattan Cheesecake / Bruschetta / sieben Mal Frühstück

_Gelacht_ mit den Teilnehmern / über die Heute Show / über tweets / mit meinem Liebsten

_Geplant_ den Juni / eigene Fitnessmitgliedschaft / Hochzeitsbesuche und das dazugehörige Outfit / die paar Kilo wegzucrosstrainern

_Gekauft_ drei Paar Schuhe (mir sind sehr viele irreparabel entzwei gegangen- allerdings erst nach Jahren) / eine pinke Hose und eine Jeans / Monatskarte / Süßkram für den Abschied / Babywillkommensgeschenke für die eine Schwester (nur noch drei Wochen!!)

_ Geärgert _ nein, nicht wirklich über das Wetter, denn ich habe mir fest vorgenommen, den Frühling und Sommer an sich zu genießen / einmal vergessene Sportschuhe für das Fitnesstraining / über eine Kollegin, die manchmal abfällige Kommentare über „Ausländer“ macht

_Gefreut _ über einen sonnigen warmen Dienstag und eine „Afterwork-Runde“ (die eher bescheiden war, aber was solls.. die Geste zählt) / darüber, dass die besagte Kollegin sich eingestehen musste, dass der so genannte „ausländische“ Arzt nachvollziehbarer gehandelt hatte als der „deutsche“ Arzt / Babyparty / den Neuanfang im Juni bei der neuen Arbeitsstelle (ich werde „öffentlich“) / über wunderbare Worte der Teilnehmer auf der Arbeit, die wiederspiegelten, dass man mich schätzt (und das, obwohl ich wirklich oft hinterher war, dass etwas getan wurde und somit häufig „forderte“..) / warme Abschiedsworte vonseiten der Kollegenschaft / über wachsende Tomaten und blühende Erdbeeren / unsere inzwischen schon 4-jährige Ehe und bald 7-jährige Liebe ❤

_ Gewünscht _ endlich einen Nähkurs zu starten / ein Auto / nachdem nun zwei meiner Schwestern im „gebärfähigen Alter“ (was für eine Wortkombination..) schwanger sind, auch mit dem Nachwuchs durchzustarten.. bald, bald / weniger Gedanken beim Bloggen nachzugehen / Kurztrips in andere Städte zu unternehmen / die Kilos loszuwerden, die mich von dem einen oder anderen Kleid in meinem Schrank trennen

Die verlorene Bloggerseele.

Einst schrieb ich regelmäßig in ein Hardcoverbuch mit Blümchen, in blau oder gemustert, ganz schnöde mit einem Kuli oder Füller. Es gab mehr oder weniger zu erzählen, aber das war auch egal, denn ich war die einzige Leserin meines Geschreibsels. Und dann kam das Internet in mein Leben und ich eröffnete 2004 meinen ersten Blog unter meinem echten Namen, mit Bildern und sehr persönlich, aber niemals ein Ersatz zu den Gedanken, die ich in der Abgeschiedenheit für meine eigenen Augen festhielt. Ich gehörte also mit zu der ersten Bloggergeneration, möchte ich mal behaupten.

Nach dem Internet kam mein Liebster in mein Leben, der meinen Blog erst einmal sehr hoch lobte und sogar seinen Freunden davon erzählte. Es wurde zu einem Wesen, das Neuigkeiten und Erlebnisse erzählte und wenn die Person dahinter sie erzählen wollte, wusste die halbe Menschheit schon längst davon. Mein Blog gedieh und wuchterte irgendwann vor sich hin. Wo war nur die Grenze zwischen realem und virtuellem Leben geblieben? Einige Jahre später kamen auch Zweifel vonseiten meines Liebsten, dass er doch auch nicht mehr so gern im Internet unter seinem echten Namen erscheinen würde. Dann kam ein verschmähter Verehrer dazu, der begann, mich über den Blog zu „stalken“ und mir wurde vollends das Ausmaß eines öffentlichen Internetlebens klar.  Zu spät – einmal losglassen, bleibt nur noch das Löschen, um etwas für die große breite Masse unsichtbar zu machen. Sehr schweren Herzens löschte ich mein Baby in seiner Gesamtheit (und bereue bis heute bitterlich, dass ich noch nicht einmal Teile davon für mich gespeichtert habe – wobei die bei den vielen Festplattencrashs sicher inzwischen ebenfalls verlorengegangen wären).

Das Tagebuchschreiben auf Papier ist gestorben, Tagebuchschreiben auf Wordpapier ohne dass es jemand liest, ist mir leider inzwischen zu wenig und meine Bloggerseele hat eine Blockade, der ich nicht auf den Grund gehen kann. Aber das Schreiben fehlt mir. Wenn der Drang danach zu stark wird, setze ich mich nieder, öffne den Unterpunkt „neuen Artikel erstellen“ und beginne im besten Falle gleich zu schreiben. Dann lese ich die ersten Sätze und frage mich unweigerlich, ob ich melancholisch bin. Ja, die melancholische Seite gehört zu mir, aber im Alltag kommt sie doch selten zu Tage. Wer mich kennenlernt, meint eine Optimistin und ungetrübte Gute-Laune-Seele zu treffen. Die ist auch zu großen Teilen vorhanden, aber das Melancholische ist verborgen da und kommt scheinbar nur beim Schreiben heraus. Das gefällt mir nicht, denn eigentlich möchte ich auch sagen „Hallo Leute, mir geht es hervorragend. Das Leben läuft und bietet mir nur ab und an einen vermeintlichen Stolperstein. Ich bin zufrieden- meistens- und wenn ich was habe, arbeite ich daran und kümmere mich darum. Ja, ich habe mich selbst im Großen und Ganzen endlich gefunden. Super! Toll! Jippieh. Schaut euch mein spannendes Leben an- hier sind die Bilder. Juhu.“ . Doch dann fließen pathetisch klingende Sätze, abgeklärte Phrasen und melancholische Spitzen aus mir heraus. Ich stehe am Scheideweg: akzeptieren und diese ganze Bloggergeschichte aufgeben oder das, was aus mir herauskommt, aufschreiben und der halben Menschheit präsentieren (Hallo, meine paar treuen Leserinnen!)?

Ich habe mich nicht entschieden. Und hoffe immernoch, meine verloren geglaubte Bloggerseele an der nächsten Straßenecke wiederzutreffen und sie herzlich in meine Arme schließen zu können. Bis dahin verspreche ich nichts und verliere die letzten paar Leserinnen. So ist das Leben.

Gesmarted.

Wieder einmal hat sich die Beobachtung bestätigt: wenn es einem gut geht, wird weniger gebloggt. Das könnte sich jedoch in Zukunft ändern, da ich gestern von meinem Liebsten mit einem zwar gebrauchten, aber voll funktionstüchtigen Smartphone überrascht wurde. Welten stehen mir nun offen! Theoretisch kann ich schneller auch mal zwischendurch bloggen, Bilder veröffentlichen, Instagramen (jippieh- zwar Jahre später als der Rest der Welt, aber immerhin hat es noch nicht beschlossen, zu schließen), twittern, was mir in den Sinn kommt.. und das alles auf meiner fast einstündigen Fahrt zur Arbeit und wieder zurück. Juhu. Ihr seht, das ist mir einen ganzen Eintrag wert. Freut euch mit mir. Tralalala.

 

Vertrödelt mit Sinnvollem.

Zuviel Freizeit lässt diese sinnlos erscheinen. Weniger Freizeit macht jede freie Minute wertvoller. Ausgebuchte Freizeit lässt nicht durchgeplante Tage zu Entspannungsoasen werden. Doch erst einmal muss ich mein Trubeldefizit wieder auffüllen.

Ich liebe den Trubel, aber brauche ebenso viele Momente für mich, damit ich durchatmen kann. Jeden Abend nach der Arbeit unterwegs zu sein, überfordert mich nach einiger Zeit. Mich in bequeme Klamotten einzuhüllen, nichts denken, nichts beantworten, klären und sagen zu müssen, entspannt mich. Seit kurzem habe ich den Ausdauer- und Gerätesport im Fitnessstudio für mich entdeckt. Mein Körper fühlt sich angenehm ausgepowert und gleichzeitig erfrischt an. Tatsächlich. Ich hätte nicht gedacht, dass ich gern hingehen würde. Gemeinsam mit meinem Liebsten macht es mir sogar Spaß. Ich hoffe, dass ich Bewegung endlich ganz in meinen Alltag integrieren kann. Und dann das Radfahren am frühen Morgen- frische Luft, zwitschernde Vögel, gestresste Autofahrer und ich fliege an ihnen vorbei, weil ich mich nicht stressen muss (zumindest, wenn ich rechtzeitig losfahre). Mein Kreislauf kommt in Schwung, ich atme viel Sauerstoff ein.. aber noch besser ist das Radfahren nach der Arbeit: die Entspannung in den Beinen, im Rücken und im Kopf, wenn ich gleichmäßig in die Pedale trete, meinen Gedanken freien Lauf lasse, vorankomme. Ja, ich genieße den Frühling und das Gefühl, wichtige Entscheidungen endlich getroffen zu haben, dieses Jahr zu genießen und Neues auf mich zukommen lassen zu können.

Ich schreibe gern. Und dennoch scheint es nicht mehr das Medium zu sein, das mir einst so half. Meine echten Tagebücher ruhen seit Jahren. Der Blog ist eine Mischung aus Wollen und Müssen geworden- ich will gern schreiben, aber wenn das leere Schreibfenster vor mir auftaucht, verstricke ich mich in zu viele Gedanken und meine treibenden Gefühle verschwinden ins Nichts. Dieser seltsame Zustand gefällt mir nicht, denn das Schreiben gehört zu mir wie das Radfahren und die leichte Melancholie zuweilen.

Vielleicht ändert sich etwas. Vielleicht bleibt alles beim Alten. Mit diesen bedeutungsschweren Worten verabschiede ich mich ins wahre Leben und genieße den 1.Mai, die kulturelle Vielfalt, meine Freunde und Familie und die alles erleuchtende Sonne.

Urlaub_20110114

Symphonee’s weekly #10

_Gesehen_  Coco Chanel 1&2 / Boardwalk Empire Folgen / 127 hours – erst wollte ich nicht, aber dann ließ ich mich von der besonderen Kameraführung bannen / Ruinen – naja, auch eher mitgeschaut und dabei eingeschlafen / Zwei Brüder – rührend

_Gehört_  kaum etwas, aber das liegt daran, dass ich keine Möglichkeit habe, auf einem Smartphone oder ähnlichem Gerät Musik zu hören

_Getan_ Gäste bewirtet / Petersilie und Tomaten ausgesät / ein echtes Fitnessstudio besucht und beinahe jede Muskelgruppe mindestens einmal gefordert / lange Spaziergänge mit meinem Liebsten / coole Musik mit einer irgendwann vielleicht berühmten Band

_Gelesen_  “Suna” von Pia Ziefle und mich in die Lebensgeschichten hineinsaugen lassen / “Sushi for beginners” von Marian Keyes – über englische Sätze gelacht / eine wunderschön rührend geschriebene Geschichte meiner jüngsten Schwester

_Gegessen_ Borschtsch / indische Reispfanne / Putensteaks / Bratkartoffeln / Ei / Pizza / selbstgemachte Hamburger – und ja, diese Woche klingt sehr Fastfoodlastig (ist aber alles selbstgekocht gewesen), dabei habe ich gerade wieder angefangen, abends Kohlenhydrate wegzulassen und meistens auf Süßigkeiten zu verzichten

_Gelacht_ beim Abrocken mit den Geschwistern / am heutigen ersten sonnigen Frühlingstag mit Freunden / immernoch über die Nerds

_Geplant_ Sportprogramm / ja, doch eher als gedacht ein Autolein / vielleicht ein Urlaub in der Schweiz

_Gekauft_ Peelingmaske für meine seltsam unausgeglichene Gesichtshaut

_ Geärgert _ gereizte Stimmung auf der Arbeit (nicht von mir ausgelöst, sondern von nie geklärten Konflikten vor meiner Zeit)

_Gefreut_ über den Frühling, der heute angekommen ist / über meinen Liebsten, für den ich die Liebste bin / Sport mit dem Liebsten, den ich endlich in Angriff genommen habe (also den Sport, nicht den Liebsten) / Feierabend und Wochenende / über meine Geschwister / Fahrradwetter / Sonne / über mein Leben

_ Gewünscht_ einen Urlaub in einem anderen Land / barfuss über Wiesen laufen / einen Roller für Sommertage

Empfindlichkeiten.

Unser Freund ernährt sich seit acht Monaten vegan. Keine Milch, Butter, Eier, Frischkäse und natürlich kein Fleisch mehr. Gut, ein bisschen Umdenken beim Kochen ist okay und absolut machbar für mich. Und er bringt immer viel mit, was er essen könnte. Trotzdem schwingt immer, ohne dass er predigen würde, ein Vorwurf mit. Ich esse besser als ihr. Womöglich bilde ich es mir auch ein. Ganz bestimmt bilde ich mir das ein. Dennoch fühlte ich mich in diesem zarten Empfinden sehr bestätigt, nachdem er anfing, meinen Körperumfang anzusprechen.

Wir sitzen zu fünft beisammen- seit vier Tagen haben wir Besuch von drei jungen Männern, die in unserem Durchgangszimmer schlafen und dementsprechend groß ist inzwischen mein Wunsch nach dem Alleinsein. Nervige Angewohnheiten stechen zusehends mehr hervor und werden zu Bergen, wenn man viel Zeit miteinander verbringen muss.

Dieser Freund sitzt nach dem Essen am Tisch und sagt: „Vor anderthalb Jahren habe ich euch besucht, da hattet ihr total abgenommen.“. Ja, sage ich, wir hätten uns abends Kohlenhydratfrei ernährt. Das sei aber eingeschlafen, weil es durch einen Jobwechsel meinerseits herausfordernder geworden sei, abends ohne Kohlenhydrate zu kochen und den späten und langen Heimweg ohne etwas zu essen zu überstehen. Dass es meistens Brötchen, Brot oder anderes Gebäck gewesen sei, habe etwas mit der Verfügbarkeit von Lebensmitteln auf dem Weg und Bequemlichkeit zu tun gehabt. Ich erkläre und entschuldige mich inzwischen für etwas, das ihn überhaupt nichts angeht. Mein Liebster allerdings sei sehr im Stress und da würde er zunehmen (aber ihn verletzt es auch nicht, wenn jemand zu ihm sagt, er habe zugenommen). Er bohrt weiter nach und bringt dann den krönenden Abschlussatz: „Und als ich euch dann wieder besucht habe, hattet ihr beide ganz schön zugenommen.“. Erstmal nur eine Feststellung. Und doch eine Sache, die man mir gegenüber nicht erwähnen darf. Ich ziehe mich aus dem aufgezwungenen Gespräch zurück, endlich merkt er das auch und fragt leicht verunsichert: „Das darf man doch sagen, oder? Vielleicht hat der Andere das nicht gemerkt und man macht ihn darauf aufmerksam? Oder was meinst du, Symphonee?“ Ich antworte, dass jeder normale Mensch merkt, wenn er zugenommen hat und es nicht gesagt bekommen möchte, stehe auf und gehe weg.

Ich bin ehrlich verletzt und weiß selbst, dass es kaum einen Grund gibt, es zu sein. Ja, ich habe einige Kilogramm zugenommen und ich weiß das ganz genau. Ich fühle mich nicht gerade wohler als zuvor, aber ich sehe normal aus, leide nicht unter Adipositas und habe nur wenig Übergewicht. Und auch wenn dies alles zutreffen würde, müsste man mir das doch nicht sagen, oder? Ich fühle mich als „schlechtere Frau“ und hässlich, nur weil ich zugenommen habe? Was stimmt nicht mit mir? Und wieso geht es vielen Frauen so?

Bis jetzt bohrt in mir das, was er ausgesprochen und ich schon länger gedacht und gewusst habe. Mag sein, dass ich nicht ganz so im Einklang mit mir selbst bin, wie ich vorgebe, zu sein. Mein Liebster sagt immer wieder, dass der Schlüssel darin liegt, sich selbst zu lieben und zwar so wie man ist. Wenn das denn so leicht wäre..

Tumblr_m1vm8tmjki1qlpz8eo1_1280_large

via

Symphonee’s weekly #nine

_Gesehen_  auch wertvolle Sendungen und Filme, aber da vergesse ich immer, wie die heißen- eeehrlich!

_Gehört_  jeden Morgen zwei Hits und die Nachrichten

_Getan_ Wohnung aufgehübscht und mal sehr kreativ gewesen / den Liebsten beim Fensterputzen angefeuert / viel zu viel gearbeitet / besonders viel gekocht / Schwester bespaßt und dabei eingeschlafen / Nachbarsfreundin, die nun keine Nachbarin mehr ist, in ihrem neuen Heim besucht / ständig Straßenbahn gefahren

_Gelesen_   “Der verbotene Ort” von Fred Vargas / „Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord“ von Fred Vargas / „Suna“ von Pia Ziefle begonnen / „Sushi for beginners“ von Marian Keyes begonnen

_Gegessen_ Hühnerfrikassee / Lammbraten / selbstgebackene Mazzen / Ofenkartoffeln / Bratei / chinesisch / Tiramisu mit Apfelmus / Bio-Quarktasche / Reis

_Gelacht_ weinselig / mit Nachbarsfreundin / über Karikaturen / über den russischen Namen für „Biene Maja“ – „Ptscholka Maja“

_Geplant_ Veränderung von Kleinigkeiten in der Wohnung / große Veränderungen im Beruf / fünf Tage Besuch von drei Bekannten / immernoch Sport / irgendwie doch auch gern ein eigenes Auto

_Gekauft_ Gardinenstangen / Schlaufenschals / Tulpen (!) / Hausschuhe für Besucher / neue Gesichtspflegeprodukte zum Ausprobieren / eine Augencreme

_ Geärgert _ über Schnee / meine Kollegin, die erst meine Urlaubstage miterlaubt und ihn mir die dann nicht gönnt / zu viel Engagement von meiner Seite- man könnte sich dran gewöhnen / Ostwind / über mich

_Gefreut_ über die Sonne / Zusagen / über geglückte Speisen / eine Wohnung, die immernoch die alten, zusammengewürfelten Möbel hat, aber plötzlich wie neu aussieht, weil wir sie wieder liebevoll behandeln / über neuen Übersetzungsauftrag / endlich Gardinen in unserem Schlafzimmer, die der Liebste aufgehangen hat (ich hatte gedroht, es selbst zu tun, aber die Wände bröckeln und ich bin auch mit Leiter wegen der sehr hohen Decken zu klein, so dass jegliche Pläne in diese Richtung eher Risiko als Freude beinhalteten)

_ Gewünscht_ Frühling, Frühling, Frühling / Balkongarten / Klarheit

Wolkenschaufelei.

Die Kriminalromane von Fred Vargas sind  angefüllt mit skurillen Charakteren und unglaublichen Wortschöpfungen. Gleichzeitig durchzogen von der Akzeptanz gegenüber menschlicher Andersartigkeit und Besonderheit – wie passend hierbei, dass sich sonderbare Menschen in Paris scheinbar häufen.

Als ich vor einigen Tagen die Frage gestellt bekam, wie ich fachliche Entscheidungen treffen würde, hätte ich aus jedem Vargas-Buch zitieren können, denn der Kommisar Adamsberg gilt als Wolkenschaufler. Bei seinen Gedankenvorgängen meint man, auf einem schwankenden Schiff zu stehen und wenn es sich auf die eine Seite neigt, rutscht ein Fragment herunter und wenn es sich zurücklegt, taucht wieder ein anderes Stück aus dem Ganzen auf. Und mit einem Mal steigt eine Lösung, ein Zusammenhang wie die Morgensonne aus dem Horizont herauf.

„Adamsberg dagegen war für jeden Windhauch offen, wie eine Bretterbude, ein Hirn in freier Luft, dachte Danglard. Stimmt, man hätte glauben können, dass alles, was durch die Ohren, Augen oder Nase in ihn Eingang fand, Rauch, Farbe, Papierrascheln, wie ein Luftzug durch seine Gedanken strich und sie daran hinderte, Gestalt anzunehmen.“*

Feste Gedanken bis zum Ende zu verfolgen, fällt mir nicht leicht, aber sie befinden sich meistens irgendwo im Hintergrund und plötzlich hat der Hintergrund sie zu Ende gedacht, ohne dass ich ihn dazu hätte auffordern müssen.

Wenn man mich erzählen lässt, beginne ich bei Z, um zwischendurch beim Ö zu landen und dann ein A mit einem B zu verknüpfen. Manchmal sehe ich, wie der Zuhörer meinen Gedankensprüngen hinterherhechelt und versuche auf meine innere Bremse zu treten. Zuweilen gelingt mir dies auch.

Leider leidet darunter auch mein Lernvermögen, etwas genau zu verinnerlichen. Stattdessen verknüpfen sich halbe Wissensenden mit Worten und wenn ich das Wort „Wolke“ höre, denke ich an die Zeit, als ich die neunte Klasse besucht und morgens immer ein Erdkundelehrbuch in den Garten nahm, um die Wolkenformationen auf eine Wettervorhersage festzulegen. Trotz der Regelmäßigkeit meiner sommerlichen Wetterbeobachtung habe ich mir keine einzige Regel bis heute merken können.

Deshalb lese ich Vargas gern. Und weil ich für mehr Menschen mit Besonderheiten bin.

[„Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord“ von Fred Vargas, S.61/62]

Schritte.

Eigentlich ist das kein Bereich für Berufsanfänger, sagte sie und ich stimmte ihr zu. Ins kalte Wasser geschmissen zu werden, ist dennoch eine der besten Lernmöglichkeiten, die ich kenne. Gefühle sind beim Lernen wichtig und kalte Wasser schockieren zuweilen sehr.

Multiple Vermittlungshemmnisse nennt sich die Diagnose und erwacht bei meiner Arbeit zum Leben.

Da wäre die junge Frau, schlank, hibbelig und noch nicht einmal zwanzig Jahre alt. Vor drei Jahren sei sie heroinabhängig gewesen – bis ihr fünfzehn Jahre älterer Freund sich ihrer angenommen und sie zwei Monate nicht aus der Wohnung rausgelassen hätte, damit sie clean wird. Es hat wohl, was Heroin angeht, geklappt. Nun ist der Freund für sieben Jahre hinter Gittern und sie seit einem Jahr täglich mehrmals am Kiffen und wenn das Geld nicht reicht, muss Bier her. Dazu kommen Gerichtsverhandlungen, bei denen sie aussagen muss, Urteile, die sie kassiert hat und ein langer Rattenschwanz an Themen, die erst nach und nach ans Licht kommen. Zu lang für solch einen jungen Menschen.

In Momenten des Erzählens möchte ich sie zuweilen drücken, um ihr all die Liebe, die sie nicht bekommen hat, nachträglich zu geben. Wenn das denn reichen würde. Gleichzeitig wirkt sie oft grob und widersprüchlich. Verzweifelt auf der Suche nach Anerkennung. Sie lädt reihum andere an dem Projekt teilnehmende Männer zu sich nach Hause ein und hat zur selben Zeit Angst, wieder einmal ausgenutzt zu werden. Neinsagen scheint sie nie gelernt zu haben.

Sie kann immernoch vertrauen, obwohl ihr Vertrauen zu oft ausgenutzt wurde. Zusammen machen wir kleine Schritte. Ich wünsche ihr gute Erfahrungen für ihr Leben und die Kraft, in entscheidenden Momentan ein klares, durchsetzendes NEIN rufen zu können.

Vielleicht ist das kein Arbeitsbereich für Berufsanfänger. Möglicherweise nicht. Aber ich bin bereit, die Menschen ein Stück ihres Weges zu begleiten und allein das macht schon die eine Hälfte einer potentiellen Entwicklung aus. Für mich und die Menschen, die ich begleite..

 

6d3d2524c8c83bafa4702e8326156856_large

via