Zwischen Eintönigkeit und Spannung.

Jaa, jubelt es in mir, Jonschik schläft. Was darf ich die nächsten drei Stunden anstellen? Drei ganze Stunden daheim, das klingt paradiesisch. Da wäre die Küche aufzuräumen, die Wäsche zu machen, die eigene zu groß gewordene Kleidung zu sortieren und bei Kleiderkreisel einzustellen (ich brauche dringend Hosen, die mir nicht über den entschwundenen Hintern rutschen) und ganz wichtig: die über 90 Quadratmeter große Wohnung zu saugen und zu wischen. Sonst tut das nämlich unser Ganzkörperwischer Jonschik und wirklich lecker schaut der am Ende dann auch nicht aus. Besonders schön: harte, versehentlich in die Ecke getretene Brotstückchen als Nachtisch direkt vom Boden zu verspeisen, nachdem das liebevoll zubereitete Frühstück komplett verweigert wurde. Nein, Moment. Zuerst hieß es „da da da“, Jonschik möchte Wurst, möchte Brot, möchte Apfel, möchte das halbe Wildschwein, um sofort mit Erhalt des begehrten Objekts dieses mit einem triumphierenden Blick Richtung Papa auf den Boden zu pfeffern. Gemeinsames Essen am Familientisch war auch schonmal spaßiger. Aber es gehört nunmal so einiges zu der Entwicklung eines Kindes, das nur halb so schön ist, wie die Windelwerbung es einem weismachen möchte. Nur halb.

Denn die andere Hälfte schaut so aus: plötzlich sagt der Windelpupser Mama und Tata und Lalala, er krabbelt und begreift immer mehr und das Elternherz geht vor Stolz auf und alles Hinpfeffern, Nicht-schlafen-lassen und Weinen-weil-Entwicklungsschub-und-Baby-möchte-nur-getragen-werden-und-zwar-von-der-Mama-höchstpersönlich-aber-nicht-mehr-in-der-Trage, jede ausgelaufene Windel und der daneben doch auch eintönige Alltag ist kurz vergessen. Tausend Mal von diesem Phänomen gehört, ja, aber gefühlt ist es eine Explosion verschiedenster Gefühle. Erschöpfung, Freude, Stolz, Verwirrung, Ahnungslosigkeit, Freude, Verwunderung, Überraschung und Enttäuschung, wenn das Kind viel zu früh wieder aus dem Nacht- oder Mittagsschlaf erwacht. Und was hat die Mama gemacht? Kurz das stille Örtchen aufgesucht, nach der Post geschaut, begonnen, das Essen zu kochen und zack, wach ist er.

Denn eigentlich wurde das sehr praktisch erdacht: die Schläfchen von Babies und Kindern sind zum Auftanken oder Sachenerledigen gemacht. Wenn mir nun jemand noch kurz verraten könnte, wie ich das Mamagedankenkarussel und den Haushaltsroboter in mir abschalten kann? Das wäre äußerst freundlich. In diesem Sinne bis zum nächsten Mal, denn da bin ich wohl schon wieder in Lohn und Brot, das Kind in der Krippe und der Mann gewöhnt es dort ein. Das wäre in vier Wochen. Bis dahin wird der Stillfixierte Sohn abgestillt, er schläft durch und wacht nicht alle anderthalb bis zwei Stunden auf, kann laufen und sprechen. Und bevor sich hier jemand der zahlreichen Leserinnen aufregt: das Kind ist inzwischen ein Jahr alt und wird diese Dinge alle sicher NICHT bis dahin lernen. Wooobei: vielleicht stillt er sich bis dahin selbst ab. Ha ha ha.

 

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Automobil.

Gestern habe ich meine letzten Nachtfahrten absolviert- bei Regen über Landstraße, Autobahn und Stadtwege. Alter Schwede, war ich fertig danach. Dass das schonmal klar ist: bei Nacht werde ich nur im äußersten Notfall fahren (und im Winter ab 17 Uhr oder früher und morgens, wenn ich zur Arbeit muss und und und).

Jedenfalls ist die letzte große Prüfung nahe, es liegen etwa 7 bis 9 Tage vor mir, in denen ich noch üben kann. Und dann kommt das große 30-minütige Finale. Glücklicherweise bin ich immer 1,5 Stunden am Stück gefahren und erfahrungsgemäß hat sich gezeigt, dass die ersten 30 Minuten rasend schnell verfliegen. So darf es dann auch bei der Prüfung sein.

Mein Dank geht an meinen Fahrlehrer, der es geschafft hat, aus einem Schisser eine vorsichtige Autofahrerin zu machen. Die Fahrstunden haben es geschafft, das eintönige Leben einer Arbeitssuchenden ein wenig spannender zu gestalten. Eigentlich sind doch fast alle Fahrlehrer große Redner, oder? Und der mich immer wieder zwingt zu überholen, auch wenn es mir hinter dem lahmen Fahrzeug zu gut geht. Der in Situationen, wenn ich Mist baue, ruhig bleibt und fragend sagt: „Warum hast du dies die Kupplung, das Gaspedal, Bremse getreten getan, das ist doch gefährlich?“. Es bringt zwar nichts, meistens weiß ich nicht, wieso ich dies oder jenes getan habe, aber ich werde es nie nur noch selten wieder tun.

Es geht spannend weiter.

Von Bedeutung.

Je mehr Selfmade-Blogs ich lese, desto genauer weiß ich, was ich besser nicht in meinen Balkon-Kräuter-und-Gemüse-Kasten gesetzt hätte. Die Pfefferminze scheint eine gierige Zeitgenossin zu sein. Hätte ich ein aktuelleres Bild für euch (also anderthalb Wochen später geschossen), würdet der Basilikum sich ergeben in seine Ecke verkrochen haben, um der Minze die Vorherrschaft zu lassen.

Doch mein Liebling ist die Tomate, die unter den schwierigsten Bedingungen aufwachsen muss. Nicht genug, dass es sie auf einen Schattenbalkon verschlagen hat, nein, dann muss es kurz nach ihrer Migration auch noch um fünfzehn Grad kälter werden. Außerdem spielt der kräftige Wind ihr übel mit, einmal musste sie eine ganze Nacht am Boden liegen, weil sie von ihrer Halterung losgerissen worden war.

Dafür wurde sie anschließend liebevoll aufgehoben und ihr ist über die Blätter gestrichen worden. Sie darf wissen: sogar, wenn sie keine Blüten bekommen sollte und keine einzige Tomate von ihr gepflückt werden kann, sie wird doch immer die erste eigens gepflanzte Tomate gewesen sein, die auf meinem ersten eigenen Balkon wachsen durfte.

Dazu ist sie ein Geschenk von meinem Vater an mich: ein kleines liebes Zeichen von ihm trotz vieler kleiner Steinchen auf unserem Beziehungsweg.