[M]ein Thema.

Eine Nähmaschine hatte ich mir gewünscht. Zum Kleiderselbernähen. Ja, Kleider, die schwingen, die an die 50er Jahre angelehnt sind und Röcke, die meine Figur umspielen. Eine Figur, die leider oft nicht in die gängigen Modetrends passt. Erst gestern habe ich mich nach warmen Pullis umgesehen, weil diese gerade günstig zu erwerben sind und es mir an warmer Kleidung mangelt. Ich war wenig erfolgreich, denn diese Sackartigen Oberteile betonen an Stellen, die bei mir nicht betont werden müssten sollten und lassen mich dadurch zehn Kilo schwerer aussehen. Da kann man schon einmal frustiert sein. Prompt sank meine Laune um einige Stufen.

Selbstnähen wäre ist eine Option- zumindest was Röcke und Kleider angeht. Die Modelle, die in den Läden hängen, sind mir nämlich gerade wirklich zu kurz. Einerseits habe ich noch nie gern Röcke getragen, die oberhalb meines Knies enden und andererseits kann ich bei der Arbeit mit Menschen ihnen nicht verkrampft gegenüber sitzen, wenn ich das Gefühl habe, sie könnten mir unter den Rock schauen.

Wie dem auch sei: ich habe immernoch den hehren Plan, mir Röcke und Kleider zu nähen. Solche, die mir stehen. Ein bisschen Rockabilly in brav und Lena Hoschek in günstig. Lena Hoschek hat im Übrigen auch auf ganz andere Art und Weise mein Thema getroffen. In einem Interview erzählt sie, wieso sie die Mode macht, die sie macht und sie erzählt von ihren eigenen weiblichen Formen und der Modewelt, in der Models heutzutage eher gekrümmt gehen müssen, um besonders androgyn zu wirken. [Keine Frage: es gibt Frauen, die von Natur aus eine androgyne Figur haben und denen die Mode momentan passt. Nichtsdestotrotz nervt es mich allgemein, dass man darauf angewiesen ist, den gängigen Formen zu folgen, da es fast nicht anderes in den Läden gibt. Insbesondere, wenn man günstig kaufen muss. Wobei ich auch oft in Second-Hand-Läden unterwegs bin und da ab und an fündig werde- aber dort fehlt dann wieder das Ausweichen auf andere Größen, falls mal etwas gefällt.]

Mein Herz schlägt für weibliche Outfits, viel Rock und Kleid- auch weil mir das steht. Und gleichzeitig traue ich mich nicht so ganz, denn manchmal muss ich meinen ganzen Mut aufbringen, um keine Hose zu tragen. Gerade im sozialen Arbeitsbereich – das ist jetzt meine Erfahrung – gilt man in einer Jeans als bestens angezogen und der Jeanskauf ist für mich eine oftmals nervenaufreibende never ending story. Dazu habe ich oft die Befürchtung, overdressed und etepetete rüberzukommen, wenn ich in Röcken und Kleidern daherkomme. Bewerbungsgespräche absolviere ich immer in Hosen. Möglicherweise könnte man mich als zu verspielt wahr- und mich nicht ernstnehmen, wenn ich zu weiblich wirke? Und genauso schlimm eventuell als Omahaft und unmodern? Erst nach und nach trage ich dann meine Röcke zur Arbeit. Dann gewöhnen sich die Leute daran.

Tatsache ist, dass ich meinen Stil noch nicht ganz ausleben kann. Aus materiellen Gründen und auch, weil mir manchmal der Mut fehlt. Nichtsdestotrotz weiß ich, dass ich immer mehr sein kann, wie ich bin (besonders in Bewerbungsgesprächen, die ich momentan im wöchentlichen Takt habe) und ich freue mich auf weitere Zeiten, in denen ich nähen werde, was ich tragen mag.*

 

* [Eine nicht unerhebliche Rolle spielen auch Stoffe. Synthetische Stoffe sind auf dem Vormarsch und sehen oftmals ein bisschen schicker aus als Baumwolle. Gleichzeitig ist das Tragegefühl für mich dabei absolut unangenehm. Sogar in hochpreisigen Bekleidungsgeschäften gibt es kaum noch echte Wolle, gute Baumwolle mit Futter und andere echte Fäden. Wenn ich selbst nähe und die finanziellen Mittel für gute Stoffe da ist, habe ich auch in diesem Bereich Einfluss auf das, was ich trage.]

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9 Kommentare zu “[M]ein Thema.

  1. Ich finde deine Einstellung zu Stilfragen hier sehr schön dargestellt, man kann sich das gut vorstellen. Fehlt es dir an der Nähmaschine oder am Wissen? Falls es in deiner Nähe eine VHS gibt, die bieten oft Kurse an auch für kleines Portemonnaie, ich hab selbst mal zwei gemacht, das ist sehr zu empfehlen. Leider verstaubt meine Nähmaschine im Moment aus Zeitgründen….

    • Ich besitze seit einem Jahr eine Nähmaschine, aber komme mit ihr nicht wirklich klar. Einerseits glaube ich, dass sie eher einfach gebaut ist, andererseits brauche ich guten Nähfaden und technisches Verständnis, um sie bedienen zu lernen. Die paar Mal, die ich sie auf dem Tisch stehen hatte, waren nicht erfolgreich. Einen Kurs in der Volkshochschule möchte ich deshalb gern belegen, aber erst, wenn ich einen Job habe, um die nötigen Utensilien in einigermaßen guter Qualität besorgen zu können. Jetzt habe ich Zeit, aber nicht die Mittel und wenn ich einen Job hab, fehlt mir dann sicher die Zeit.. aber so ist das Leben! 🙂

      Du hast also Näherfahrung? Das finde ich spannend! Auch aus dem Grund, dass wir heutzutage so wenig selbst herstellen und es ein schönes Gefühl sein muss, produktiv zu sein und das Produktive nutzen zu können. Hast du dir eigene Kleidung genäht? Oder eher Kleidung umgeändert? Aus welchem Grund hast du angefangen zu nähen?

      Liebe Grüße,

      Symphonee, die eine Oma hatte, die Schneiderin und Näherin war.

      • Hmm ich weiß ja nicht was für eine Maschine und welches Garn du hast, aber ich hatte nie hochwertige Fäden oder ähnliches teures Zubehör….hab da aber auch kein technisches Verständnis 😉

        ich hab mit 12 oder 13 meinen ersten Kurs gemacht, damals aus dem Grund, weil ich extravagante Klamotten mochte, mir die aber zu kostspielig waren und ich mir dachte: So schwer kann das ja wohl nicht sein! Ich hab angefangen mit einfachen TShirts und Röcken, die haben sogar bis heute gehalten 🙂

      • Naja, meine Nähmaschine frisst die mit dazugelieferten Fäden, die aber wirklich dünn sind. Und ich probiere noch an der richtigen Stärke herum. Wenn ich sie überhaupt raushole. Vielleicht sind das auch Ausreden, weil ich bisher keine Erfolge mit der Nähmaschine hatte.

        So früh hast du schon angefangen? Wow. Aber du hattest einen guten Grund. Und ich hätte ihn auch- wobei ich auch schon schrieb, dass es mir oft schwerfällt, mich in meinem Beruf so anzuziehen, wie ich wollte.

        Aber wie gesagt: ein Nähkurs ist auf jeden Fall noch auf meiner „To-Do-Liste“ vermerkt.

  2. Ich finde diesen Modestil ganz fantastisch, weißt du? Ich mag’s auch sehr gerne 50er bis 60er Jahre mäßig. Ich bin auch mit meiner Frisur und meinem Make-Up Stil oft noch in den 60ern hängen geblieben. Betone die Augen, aber dafür weniger die Lippen. Und wenn ich Zeit finde, toupiere ich sogar gerne die Haare. Manchmal gibt’s sogar ein Haarband. Aber so kann man leider nicht immer raus. Gerne mag ich auch Oberteile, die ein wenig 80er mäßig geschnitten sind, die Farben dürfen da auch gerne knalliger sein. Aber diesen Pin-Up Girl Stil mag ich am aller meisten, aber hab‘ mich noch nicht getraut, so rauszugehen. Einmal hab‘ ich das annähernd versucht, und ich muss sagen, mir wurde viel zu viel Aufmerksamkeit zu teil, was mir dann auch unangenehm war. [Männliche Aufmerksamkeit kann ab einer gewissen Grenze sehr unangenehm werden, bei mir ist diese Schwelle recht schnell überschritten.]

    Röcke trage ich leider fast gar nicht. Ich glaube das liegt daran, weil ich dazu meistens gerne schickere Schuhe anziehen möchte, aber ich gar kein Bock habe, nicht durch die Gegend hüpfen zu können. Hm, ich könnte mir eigentlich auch mal wieder mehr Gedanken darüber machen, über meinen Modestil.

    Eine eigene Nähmaschine finde ich spitze. Wäre ich nicht gänzlich untalentiert [ungeduldig] für so etwas, würde ich mir mit einigen Schnitten auch gerne selbst Klamotten nähen.

    • Jetzt bin ich noch neugieriger, wie du ausschauen magst! Ich stelle dich mir gerade als iranische 60er-Jahre- Schönheit vor. Ich kenne einige Iranerinnen (oder sagt ihr lieber Perserinnen?), die sich wirklich toll schminken können.

      Meine Schminkkünste sind eher beschränkt. Meine Augen betone ich schon mit Lidstrichen und Wimperntusche, aber ich benutze sonst keine Grundierungen, nichts für die Haut. Ein bisschen Rouge, ein bisschen unauffälligen Lidschatten und ab und an Lippenstift. Ich habe eher weniger Haupthaar, (sieht man so nicht, aber ein Zopf sieht eher süß als voll aus) dafür langes Haar. Früher habe ich auch schöne Frisuren hinbekommen, aber jetzt rutscht immer alles auseinander. Du hast manchmal toupiertes Haar, also trägst auch einen „hochtoupierten Hinterkopf“? I like!

      Ja, der Pin-up-Stil ist ja schon eher sexy- wobei ich mich gerade frage, wie du den Stil umgesetzt hast? Also, konntest du nachvollziehen, woran es lag, dass die Männer dir Aufmerksamkeit geschenkt haben?

      [Letzten Sommer war ich einmal in einem schwarz-weiß-geblümten Knielangen Stretchrock, mit einem einfachen schwarzen T-shirt (sogar fast hochgeschlossen), mit einem strengen Dutt und einer weißen Blume im Haar auf dem Fahrrad unterwegs. Absolut nicht offensichtlich sexy oder was auch immer- und du glaubst nicht, wie viele Männer mich angesprochen haben, sogar im Sinne von „schöne Frau“ und „edel“ oder was weiß ich. War mir auch ein bisschen peinlich (ich sage dann immer sehr schnell, dass ich verheiratet bin), aber auch sehr schmeichelnd. Trotzdem konnte ich nicht so recht verstehen, was da passierte.]

      Da ich nur 1,58m groß bin und ich in der Sozialen Arbeit gern ein bisschen größer bin als die Kinder und Jugendlichen, trage ich häufig hohe Schuhe. Aber bequem müssen die auch sein. Ja, zu Röcken sehen gerade bei kleinen Frauen natürlich hohe Schuhe besser aus. Und hüpfen kann man damit auch- aber eher in den Gebäuden, auf der Straße sieht das wohl unbeholfen aus 😉

      • Ich schminke mich auch nicht stark, aber manchmal ist Puder dabei und Augen halt gut getuscht mit Lidstrich. Früher habe ich auch gerne am unteren Augenrand noch einiges geschminkt, aber das mache ich im Moment nicht so gerne, die Augen wirken so jetzt größer. Ich finde, dass die meisten Iranerinnen sich furchtbar übertrieben schminken, mir gefällt das nicht so sehr. Aber sie sind zweifelsohne meistens wunderschön, vor allem Augen und Augenbrauen sind bei ihnen unschlagbar. ❤

        Ich schätze dich auch eher als den natürlichen Typen ein, du brauchst vermutlich keine Grundierung, sonst hättest du das schon versucht. Ich habe ein Mal im Monat Problemhaut, und da kommt auch gerne was drauf, aber es sieht nicht maskenhaft aus.

        Pin-Up Stil war: Unterknie langer, schwarzer Rock, eng. Bisschen höhere Absätze, schwarze Strumpfhose, hell geschminkte Haut, Augen kräftig, Lippen rot! [Und das mache ich nie, und wohl gefühlt habe ich mich da auch nicht!] Oberteil war auch so ein zuknöpfbares Hemd, etwas enger, aber auch hochgeschlossen. Und ja, wenn Frauen hochgeschlossen sind, aber die Form noch erkennbar ist, dann sind die Reaktionen auf jeden Fall stärker.

        Ach, 158? Das sieht man gar nicht, ich hab' dich für größer gehalten. Ich bin 1,71m groß. Für eine Iranerin viel zu groß. Haha. 😀

        Ich hab' aber auch oft so ziemlich die Schnauze voll von Mode. Bin auch ehrlich, dass ich mich da gar nicht nach dem Trend oder so richte, wenn, dann eher zufällig. Ich könnte jetzt nicht viel über Mode erzählen … Weiß auch nie, wie die Schnitte heißen. Ich hol's mir dann einfach. Ich kaufe auch viel seltener Schuhe und neue Klamotten im Vergleich zu anderen Frauen, schaue auch nicht auf Marken ehrlichgesagt. Mich kriegt man eher mit hübschen, technischen Geräten zum kreischen oder aber Schreibutensilien.

      • Ja, ich finde, dass viele Iranerinnen und Russinnen sich ziemlich stark schminken. Das wäre nichts für mich, aber bei manchen sieht es halt einfach schick aus- vor allem die Augen fallen sehr positiv auf. [So wie deine, wenn das auf dem Bild deine Augen sind?]

        Ja, ich bin eher natürlich, was wohl auch damit zusammenhängt, dass ich nie Problemhaut hatte. Auf der anderen Seite auch damit, dass ich gerade im Sommer viel mit dem Fahrrad unterwegs bin und immer Angst hätte, dass etwas verwischt, wenn mir warm wird.

        Wow, ich stelle mir dich im Pin-Up-Stil wunderschön vor. Groß und schön. Ich bin wirklich klein, was mich deshalb oft auch höhere Schuhe zurückgreifen lässt. Stimmt- ich kenne nur kleine Iranerinnen! So in meiner Größe 😀

        Ja, du bist eher technisch orientiert, das kann ich mir vorstellen. Aber Schreibutensilien? Muss ich mir das so vorstellen, dass du beispielsweise einen Montblanc-Füller dein Eigen nennst? 😉

        Ich finde, dass man gar nicht so sehr an Mode interessiert sein muss, um sich geschmackvoll und (s)einem Stil entsprechend zu kleiden. Das Einzige, woran man nicht vorbeikommt, sind die in den Läden hängenden Trends. Dadurch ist man ein ganzes Stück von der Mode abhängig. Aber sonst sehe ich das ähnlich: Marken oder präsentierte Trends (bei mir nur deshalb so präsent, weil ich viele solcher Blogs lese.. lese?.. nein, ich schaue mir da die Bilder an!) interessieren mich nicht im Sinne von „das sind must-haves“. Das wäre mir auch einfach viel zu teuer. Und immernoch stelle ich mir die Frage, ob die Modeblogger sich die Sachen holen und dann wieder zurückgeben oder wirklich das Geld besitzen, wöchentlich shoppen zu gehen!? Ich habe auch viel Zeug, das muss ich zugeben, aber das habe ich über zehn Jahre gesammelt und viel habe ich nie für die einzelnen Teile ausgegeben.

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