Nö.

Meine freundschaftliche Nachbarin rief eben an. Ich teile spaßige Momente ebenso mit ihr wie ernste Gespräche und ab und an wuppen wir was zusammen.

Und dann ruft sie heute an und rückt nach und nach mit einer etwas skurillen Bitte raus. Ob ich wohl die Englischhausaufgaben ihrer 18-jährigen Tochter machen könne, da sie eine WG-Besichtigung habe. Ich könne doch so gut Englisch.

Für mich war klar: ich schaue mir gern an, was sie geschrieben hat, aber die Aufgabe (eine Inhaltsangabe) an ihrer Stelle zu machen, nein, da habe ich einfach gar keine Lust dazu. Ich solle nicht so pädagogisch sein, meinte meine Nachbarin. Pädagogisch? Nein. Ich hätte einfach keine Lust, mich hinzusetzen und Hausaufgaben für andere zu machen. Meine Zeit der Hausaufgaben sei vorbei. Das sagte ich alles genau so. Sie konnte nicht glauben, dass ich das ernst meine. Aber wieso eigentlich nicht? Nein sagen ist erlaubt.

Der Text sei so schwierig, sie verstehe ihn nicht. Da muss sie nun mal durch, sagte ich hart.

Neben dem Stolz darauf, dass ich nein gesagt habe, nagt eine leichte Irritation an mir. Bin ich jetzt ein Freundschaftsschwein?

Nö. Und ich lerne, meine eigene Meinung und Grenzen zu vertreten.

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4 Kommentare zu “Nö.

  1. Das ist ja krass! Da bin ich auch ein wenig stolz auf dich. Dass du das echt durchgezogen hast. Ich glaube, so weit bin ich noch nicht – und wenn: was hätte ich mich danach schuldig gefühlt. Aber wenn es eine Fremdere gewesen wäre, dann hätte ich das geschafft. Irgendwie bin ich gerade beeindruckt, liebe Symphonee. Ich übe das „Neinsagen“ nämlich auch gerade. Es fällt mir sehr schwer, aber ich bleibe dabei meistens irgendwie diplomatisch und mache den anderen, „die ja sowas von nicht können und gestresst sind“, einfach klar, dass ich sogar noch viel gestresster bin.

    Gute Nacht! =)

    • Schuldgefühle? Natürlich habe ich die immer noch, das Gespräch läuft mehr oder weniger in Dauerschleife in meinem Kopf, aber das gehört nun mal zu mir. Letztendlich ist die gute Teenagerin (die ein Jahr lang Austauschjahr in Südafrika gemacht hat und deshalb Englisch wohl besser können müsste als ich) nach der Besichtigung zu einer Freundin gefahren, um die Aufgaben gemeinsam mit ihr zu machen. Irgendwie habe ich also so eine Art Hilfe zur Selbsthilfe geleistet, oder? Hehe.

      Aber ich hätte wohl trotz Lustlosigkeit geholfen, wenn man mich gebeten hätte, beim Textverständnis zu assistieren. Das alles allein zu machen- ne, da gibt es Grenzen. Ganz klar. Obwohl ich momentan alles andere als gestresst bin.

      Für mich ist klar: wenn ich Neinsagen nicht in „kleinen Dingen“ übe, dann wird das nie was. Leider habe ich zuviele gute Menschen gesehen, die frech ausgenutzt wurden (beispielsweise meinen Vater), um nach getaner Hilfe links liegen gelassen zu werden, weil er nicht gelernt hat, nein zu sagen. Und er wird bald sechzig.

      Viel Glück auch dir beim Neinsagenüben (Alta, ist das anstrengend!).

  2. Fabelhaft, find ich richtig gut. Man sollte nur ja sagen, wenn man wirklich etwas tun will. Der Fragende hat respektvoll zu fragen, so dass er ein Nein erlaubt. Wer als Fragender ein „JA“ erwartet sollte sich damit abfinden, dass man anderen Menschen weder durch Gewissensbisse, Unverständnis noch Psychischen Druck oder aus einer Selbstverständlichkeit heraus dazu bringen kann etwas für sie zu tun.
    Wie sollte man also Fragen, wenn man Hilfe von jemanden braucht? Wie in der Businesswelt üblich. Die Frau hätte einfach fragen können: Haben sie Interesse sich 10 Euro die Stunde dazu zu verdienen?
    Der Preis wäre von deiner Seite verhandelbar gewesen, also ein ja, oder aber du wärst motiviert gewesen deine Freunde zu fragen, denn ein bisschen Geld für Nachhilfe ist ja immer was feines.
    Wer Hilfe brauchte sollte nicht sein Hilfeanliegen vorstellen (außer er ist wirklich völlig am Ende und zu nichts mehr Fähig), aber wie wäre es denn, wenn man dem anderen sagt, was er davon eigentlich hat. Das läuft im Businessleben ganz genau so. Kein Geschäftspartner arbeitet mit dir zusammen, wenn du ihm erzählt, wie dir die Zusammenarbeit nützt. Das sollte immer an zweiter Stelle stehen. Wichtig ist dem Anderen ein Angebot anzubieten, wovon er selbst unglaublich profitiert.

    „Ja, aber sowas macht man nicht bei Freundschaften.“

    So, warum denn nicht? ein „Hey, Bock mir beim meinem Umzug zu helfen? Wir werden arbeiten aber auch Spaß haben. Es gibt Pizza und Cola und am Ende gibts ne Kiste Freibier in der neuen Wohnung – du wirst schon sehen, wird voll geil – , bist du dabei?“ hört sich einladender an als. „Ich brauche dich unbedingt beim meinem Umzug. Kannst du mir helfen? Ich komme sonst nicht klar. Du musst unbedingt dabei sein.“

    Es kommt natürlich immer auf den Grad der Freundschaft an. Wer aber fragt, sollte immer mit einem Nein rechnen. Wir leben hier ja nicht in der Diktatur der Fragenden!

    • Monkey, schön, dich hier zu lesen!

      Grundsätzlich stimme ich dir in deinen Ausführungen zu: erbrachte Leitung sollte in welcher Form auch immer wertgeschätzt werden. Dennoch wäre ich persönlich befremdet gewesen, wenn sie mir Geld angeboten hätte (denn wir sind Nachbarsfreunde). Und die Englischhausaufgaben der Tochter kauft man normalerweise nicht.

      Mich hat eher die Tatsache geärgert, dass sie über mein Nein so erstaunt gewesen ist. Denn wer fragt, muss auch mit einem Nein rechnen. Scheinbar habe ich noch nicht oft Nein gesagt. Bisher hatte ich aber auch nicht die Notwendigkeit dafür gesehen.

      Mal sehen, wie es jetzt weitergeht mit uns beiden. Ein bisschen ungemütlich ist sowas ja leider immer im Nachhinein..

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