Ernüchternde Landung.

Tief in meinem Herzen tanzen große und kleine Ängste ihren Reigentanz, schlagen auf den Magen, lassen mich hibbelig werden und ohne Punkt und Komma reden. Unsichere Situationen und mein eigener Erwatungsdruck lassen den Schutzschild sinken und schon tanzen sie nicht nur im Herzen, sondern toben durch meinen ganzen Körper.

Doch manchmal bin ich plötzlich mutig und bewerbe mich als Personaltante bei einem Unternehmen, das soziale Anstriche zeigt und eine überzeugende Internetpräsenz aufweist.

Einen Tag später werde ich tatsächlich eingeladen, um daraufhin eine Woche zu überlegen, wie ich mich auf das Gespräch vorbereiten sollte. Möglicherweise wird man mich bitten, ein Einstellungsgespräch nachzuspielen? In jedem Fall weiß ich alles über das Unternehmen, über mich und kann meinen Quereinstieg logisch erklären.
Ich hätte es mir sparen können.

Der äußere Eindruck war unaufgeräumt und von Kommen und Gehen geprägt. Ich mag lebendige Arbeitspätze. Gut. Zwischendrin sprechen die Mitarbeiter miteinander polnisch. Ich verstehe ein bisschen polnisch, aber höflich ist das nicht. Ich muss fünfzehn Minuten warten, um dann zwei Etagen höher wieder warten zu dürfen. Währenddessen läuft ein rauchender Mitarbeiter durch den Flur. Ein mittelalter Mann schlurft auf mich zu, nennt meinen Namen, gibt mir jedoch nicht die Hand und beginnt einen Raum für das Gespräch zu suchen. Wir landen in einem verlassenden, nach Zigarettenrauch stinkenden Raum und setzen uns. Der Akzent des Geschäftsführers ist vorherrschend, er fordert mich auf, etwas über mich zu erzählen. Er gähnt dabei. Entweder hat er zu wenig Schlaf bekommen oder er steht unter Medikamenteneinfluss. Seine Augen wirken nicht ganz wach und seine schleppende Art zu reden irritiert mich.

Wollen Sie Kinder? Schon 2013? Können wir nicht gebrauchen. Das sei ein harter Job. Ohne Feierabend. Immer Bereitschaft. Zuständig für viele Mitarbeiter- allzuständig für viele Mitarbeiter.

Ich bin erleichtert. Das Unwohlsein wurde mit jeder Minute größer und die Bedingungen eines „harten Jobs“ halten mich ab, zusagen zu müssen. Nein, ich brauche Feierabende und Freizeit. Das Leben an sich gefällt mir. Ich sage ab und trete erleichtert in die Freiheit.

Nunja. Zumindest für dreißig Minuten. Anschließend darf ich Autofahrenüben. Und das ist der Start für eine weitere Folge von „Symphonee setzt sich erfolgreich unter Druck“. Tadaaaa. Ich hätte mir nach dem Gespräch freinehmen sollen.

Nun kommt ihr ins Spiel: erzählt mir, dass ihr gebraucht habt, um alles beim Fahren unter einen Hut zu bringen und dass es normal war und dass ihr auch mal Angst hattet und dass ihr trotzdem irgendwann die Prüfung geschafft habt. ERMUTIGUNG!

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2 Kommentare zu “Ernüchternde Landung.

  1. Ich hab auch gebraucht. Und ich hatte Angst. Überholen, oje. Man kann doch einfach mit 50 hinter dem Traktor herfahren, beim Autofahren muss man sich Zeit nehmen. Und dann hab ich ja schon berichtet, was passiert ist. Aber ich hab es trotzdem geschafft.

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