Kurve.

Ich spaziere nach meiner allerletzten Prüfung unter den Kastanien in der Allee entlang und muss grinsen. Jeder Baum zielt mit einer stachligen Kastanienhülle nach mir. Es ist, als wollten die Kastanien sich dafür rächen, in geraden Linien stehen zu müssen. Und die einzigen Möglichkeiten sind im Herbst, wenn sie Blätter runterschmeißen, auf denen die Menschen bei Regen ausrutschen können. Außerdem muss Haufen für Haufen weggeräumt werden, wenn die feine Straße saubergehalten werden soll. Und dann gibt es da noch Kastanien als hervorragende Wurfgeschosse. Erfolgreiche Wurfgeschosse.
So geht das Leben weiter, nimmt Wendungen und neue Kurven an. Und ich finde es schwierig, die Kurve in meinem Blog zu finden. Von einem traurigen Thema auf ein normales Gebiet. So tu ich es mit rachsüchtigen Kastanien und dem Herbst. Der bringt mir nämlich neben Farbe meistens die schwierigsten Lebensaufgaben. Ich hoffe, meine für dieses Jahr habe ich geschafft.

 

 

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13 Kommentare zu “Kurve.

  1. Ich will auch Kastanien sammeln. Mir geht´s grade so mies, die Sonne scheint und ich denke, ich würde am liebsten wohin gehen, wo man Kastanien sammeln kann. Sieben Stück habe ich schon. Aber dann denke ich, dass ich nicht noch mehr Zeit mit Traurigsein vergeuden kann und besser hier meine Hausarbeit machen sollte. Stattdessen komme ich von der Couch nicht los. Als würde sich durch das Rumsitzen was ändern.
    Nachdem ich von Dir gelesen habe, war es wirklich so, wie Du auch schon geschrieben hast. Etliche erleben dasselbe, was Dir passiert ist. Meine Freundin hat in der 21. Woche davon erfahren und ist megatraurig und hat dazu noch eine Kündigung bekommen, sodass sie extra Kraft braucht und dann lese ich den Blog von Freunden aus meiner Christenzeit und kann nicht glauben, dass sie dasselbe durchmachen. Wenn Du möchtest, es ist aber sehr emotional, dann kannst Du hier mal schauen: http://www.danielundbea.blogspot.com . Irgendwie ist leben viel schwerer, als es auf den Titelseiten von Zeitschriften immer aussieht. Ich geh jetzt doch in die Sonne und suche Kastanien.

    • Kastaniensammeln hat so etwas ursprünglich Kindliches. Das genieße ich immer mal wieder.- Aber viel zu selten.
      Wieso geht es dir mies?

      Ja, es passiert wirklich oft. Und ich bin froh, dass es, wenn es schon passieren musste, so früh geschehen ist. 21. Woche klingt für mich schrecklich. Ich wusste kaum, dass ich schwanger bin, da war es auch schon wieder vorbei. Ich muss sagen, dass es für mich jetzt so okay ist. Ich habe noch soviel zu klären, machen und ordnen in meinem Leben, dass ich mich darauf konzentrieren muss (es wäre sicherlich zuviel geworden, alles nebenher zu machen- nicht unmöglich, aber anstrengend).

      Ja, das Leben ist auch Trauer.

    • Daniel und Bea haben eine Frühgeburt erlebt, die um einiges später stattfand. Das ist für mich unvorstellbar (traurig). Ich wusste nicht, wann genau es geschehen ist, denn ich war erst in der 6.Woche (eigentlich vom Entwicklungsstand her in der 4.Woche), so dass der Embryo nur so groß wie ein Apfelkern war..

  2. Mir geht´s mies, weil meine Mutter mir heute wegen einer Lapalie Dinge an den Kopf geworfen hat, die totaler Blödsinn sind. Angefangen hat alles, als wir vorletztes Wochenende zu Besuch waren und nicht besonders fit und lustig. Meine Mutter hat das nicht verstehen wollen. Irgendwann fragte sie dann, ob wir eigentlich jemals so gelacht hätten, dass uns die Tränen gekommen wären. Damit und mit dem, was sie so drumrum sagte, gab sie uns zu verstehen, dass sie findet, dass wir langweilig sind und steif. Benni erlaubte sich dann, mir zuzustimmen, dass er auch findet, dass es langsam mal reicht. Wir hatten beide eine anstrengende Woche hinter uns. Und dann rastete sie völlig aus und hat den ganzen Abend im Schlafzimmer verbracht. Wir mussten dableiben, weil wir mit meinem Bruder später noch was unternehmen wollten. Als wir dann eine Woche danach telefonierten, war es, wie als sei nichts gewesen und das Telefonat begann von ihrer Seite mit „Lange nichts voneinander gehört“.
    Wir ziehen ja bald um und so wie´s aussieht, werden wir das zu zweit bewerkstelligen. Weil die neue Bude nur ein paar Meter weiter ist, wollen wir allen mit dem Auto und Sackkarre rüberbringen. Wegen der vielleicht für mich zu schweren und großen Dinge, wie die auseinandergebaute Couch habe ich meinen Vater, der körperlich fit ist, bis auf manchmal ein bisschen Knieschmerzen, gefragt, ob er dann am Freitag Nachmittag im November kommen würde, um mit Benni diese übrigen Sachen rüberzutragen, falls ich das nicht schaffe . Für ihn war das überhaupt kein Problem, ohne auch nur einen Satz des Widerwillens hat er gesagt, dass er kommt und ein bisschen früher Schluss macht auf der Arbeit. Am Frühstükstisch hat er heute Morgen dann im Beisein meiner Mutter meinen Bruder gefragt, ob er dann auch schonmal vormerken kann, dann früher Feierabend zu machen, damit sie zusammen zu mir kommen können.
    Dann kam die völlig unerwartete Reaktion meiner sonst eigentlich hilfsbereiten und gutmütigen Mutter. Sie meinte, das wäre ja wohl unmöglich, dass mein Vater das machen soll, was denn wäre, wenn einer die Treppe runterfällt (2. Stock), und dass wir ja Geld für einen Urlaub in Neuseeland hätten, aber nicht für eine Spedition. Ich sagte dann, dass mein Vater gar kein Problem damit hat und dass er schon sagen würde, wenn, er mir nicht helfen wollte (würde er wirklich) und dass ich nie von jemandem Hilfe annehmen würde, wenn ich wüsste, er tue es nicht gern. Mein Vater bekräftigte das dann auch, dass das doch keine Frage wäre und dass das Sofa ja auseinandergebaut wird. Dann meinte meine Mutter, wo denn alle unsere Freunde wären und dass die uns doch helfen sollten. Ich sagte, dass ich nicht sehr viele Freunde habe, wen sie denn da überhaupt meinen würde und dass wohl kaum meine Freundin, die genauso schwach ist, wie ich oder andere Freunde, die unter der Woche arbeiten, kaum für mich Urlaub nehmen werden. Benni´s Freunde müssten dann aus Rostock und Neuss kommen. Es ist ja so, dass es nur um die schweren, großen Sachen geht, alles andere schaffen wir ja allein. Zu wenig Arbeit jedenfalls, um dafür eine Spedition zu bestellen oder Freunden zuzumuten, einen Tag Urlaub für ein Sofa zu nehmen oder 100 km weit zu fahren. Das heißt ja dann auch, diese Helfer zu bewirten und einen Schlafplatz zu haben. Beides wird bei all dem Stress eher zu mehr Stress, als sonstwas und ist völliger Quatsch. Ich weiß genau, dass sie es unerhört fände, wenn ich für den Umzug anderer Urlaub nehmen würde oder 100km fahren würde, um jemand anderem zu helfen. Nur andersrum ist das leicht gesagt. Es war einfach völlig absurd. Dann wurden die ollen Kamellen von vor 2 Wochen wieder ausgepackt, wobei sie sich weiterhin keiner Schuld bewusst ist. Die Schuld liegt schließlich bei uns. Wo sonst? Und dann meinte sie, obwohl beide Streits zu 100% von ihr ausgingen, dass ich das alles extra anzetteln würde, um einen Grund zu haben, mich abnabeln zu können. Ähm, ja. Das wurde dann ganz schön psycho alles. Danach kam ganz viel Selbstmitleid, meine Undankbarkeit und alle meine Erklärungen gingen ins Leere, obwohl sie sehr plausibel waren. Aber nein, die Couch kommt im Ganzen nach unten, ob die Freunde arbeiten müssen oder am anderen Ende von Deutschland wohnen, ist egal und mein Vater ist nicht fit wie ein Turnschuh, sondern seine Vitalität der eines 90-Jährigen gleichzusetzen. Ich habe echt Angst vor der nächsten Aktion in dieser Richtung. Ich fühle mich so unglaublich missverstanden und dieser Streit und ihre Argumentation waren einfach so dumm, dass ich unbedingt ein Umdenken brauche. D.h., keine Besuche mehr über Nacht (ist ja auch nicht nötig bei einer Entfernung von 10km), keine Besuche mehr über viele Stunden hinweg, keine tiefgründigen Themen mehr. Dann ist man zwar trotzdem nicht bewahrt von solchen ausartenden Streitigkeiten (ich hätte nie gedacht, dass das heute so endet), aber kann ein bisschen vorbeugen. Je weniger man zusammenist, desto weniger kann es zu Spannungen kommen. Ach ja, und Auto auf der Straße stehen lassen, damit man gleich loskann, wenn es einem zu bunt wird.

    So!

    Das mit Daniel und Bea ist total schlimm. Ich kann mir das auch nur schlecht vorstellen und finde es sehr krass, dass sie das Baby dann noch anfassen konnten. Meine Freundin musste ihr Kind auch auf die Welt bringen, aber sie hat es nicht gesehen. Es war auch nicht die 21. Woche, da hatte ich mich vertan, es war noch kleiner. Dieses Thema überschüttet mich derzeit regelrecht. Von allen Seiten, auch wirklich im Bekanntenkreis, hört man von sowas. Und dann kommt in den Nachrichten, dass in Husum eine Frau gesteht, 5 Säuglinge getötet zu haben. Das ist doch ungerecht ohne Ende!

    Mir ist immer noch flau im Magen, eine sehr gute Freundin hat mich grade angerufen, das hat gut getan. Sie hat auch eine nicht ganz einfache Mutter und kann immer gut nachvollziehen, wie das bei uns ist. Mich ärgert, dass ich mich zu nichts aufraffen kann, aber ich bügel jetzt. Ich war auch nicht Kastanien- Sammeln. Als ich mich im Spiegel gesehen habe, fühlte ich mich nicht würdig, auf die Straße zu gehen, wo ich anderen Menschen begegnen könnte. Irgendwie muss ich den Abend jetzt rumschlagen und morgen mittag kommt Benni wieder.

    Das ist der längste Kommentar ever!

    • Tatsächlich- der längste Kommentar ever! 🙂

      Mensch, du hast aber wirklich grad Familien- (oder Mutter)Stress. Manchmal hilft es dann echt nur, sich erstmal ein bisschen zu distanzieren. Ehrlich gesagt stell ich mir deine Mutter ein bisschen wie meinen Vater vor. Er kann sich wegen eines Details aufregen, irrational reagieren und dann ordentlich rundum Stress machen. Von null auf hundert. Nur- er kann sich dann auch entschuldigen.
      Und das würde ich euch wünschen. Sie hat euch beide scheinbar verletzt, als sie meinte, ihr seid langweilig. Tja, und dann kam wahrscheinlich eine Menge Unzufriedenheit aus ihr heraus (Ihr leistet euch etwas und dann müsst ihr auf Papa zurückgreifen, weil ihr keine Spedition mehr bezahlen könnt! Papa ist sowieso immer zu nett und hilft allen! Wozu überhaupt so weit weg verreisen??, usw.). So klang das jetzt für mich.

      Aber ich kenne eure Beziehungsgeschichte (Mutter-Tochter/ Vater-Tochter / Geschwister?) nicht.

      Manchmal tröstet auch ein Gedanke: existenziell streiten kann man meist mit Menschen, zu denen die Beziehung fest ist und die das auch aushalten können. Mein Vater traut sich beispielsweise nicht mehr, mit mir zu streiten, weil die Beziehung zwar nett, aber nicht mehr fest und resistent ist. Das macht mich traurig, wenn ich genauer drüber nachdenke. Aber das lasse ich besser 😉

      Ich hoffe, es geht dir einigermaßen besser. Und du bist wohl würdig, Kastanien sammeln zu gehen! (Und sei es nur, damit die Bäume dich zum Lachen bringen, während sie mit den Kastanien versuchen, nach dir zu werfen).

      Tja, wieso oft Frauen, die ihre Babys gar nicht wirklich wollen, gerade diese dennoch auf die Welt bringen, weiß ich nicht. Manchmal stelle ich mir vor, dass für Ungeborene Erwartungsdruck, Stress und Anspannung, bloß alles richtig zu machen, mit das Unvorteilhafteste ist. Aber das ist nur ein Gedanke und muss nicht so sein..

  3. Als ich das letzte Mal hier geguckt hatte, war nix da und jetzt was ganz langes. Ist alles wieder gut bei uns. In meiner Familie ist es nicht üblich, sich zu entschuldigen, aber man sieht oder hört sich beim nächsten Mal und dann ist Schwamm drüber. Ich finde das okay. Diesmal war es so, dass meine Mutter am Sonntag anrief, nachdem ich am Samstag einen verdorbenen Nachmittag und Abend hatte und einfach meinte, sie wollte mal hören, was ich so machen würde. Da war ich echt baff, plauderte mit ihr, wir legten auf und ich fragte mich, was das jetzt eigentlich war. Aber es war danach wieder alles okay und das war mir auch lieber, als alles wieder aufzuwärmen. Im Grunde haben wir ein gutes Verhältnis, ich kann zu meinen Eltern kommen, egal was ist und grade meine Mutter weiß auch sehr viel über mich. Aber manchmal geht bei ihr so ein Schalter um und plötzlich hat man das Gefühl, sie will einfach nicht kapieren, was man sagt. Das mit dem Urlaub und der Spedition ist nicht ganz so, wie Du es verstanden hattest. Wir haben Geld für eine, das wäre gar kein Problem, aber jede Spedition würde uns auslachen, wenn wir sagen würden, sie sollen die Sachen 500 Meter weiter bringen (oh, es sind sogar nur 180 lt. Google). Es geht konkret auch nur um die Couch, die mein Vater einfach nur mit hätte runtertragen sollen, falls ich es mit Benni nicht alleine schaffen würde, wovon nicht auszugehen war. Und dafür habe ich ehrlich gesagt keine Lust, die Anfahrt der Spedition, den einen Schlepper und seinen Azubi mitzubezahlen. Sonst ist meine Mutter eher geizig und gönnt sich so gut, wie gar nichts, aber irgendwie meinte sie hier, man müsse sein Geld verschenken. Jetzt haben wir es so gelöst, dass Benni´s Eltern, die schon in Pension sind, kommen und uns helfen. Mein Vater kommt aber trotzdem nach seiner Arbeit und hilft mit, tragen, wenn wir es nicht schaffen. Ansonsten kommt er eben zum Abendessen 🙂
    Tja…bis zum nächsten Streit dann. Gehört ja auch zum Leben dazu, aber wenn doch einfach jeder Streit sachlich bleiben könnte…das wäre schön.

    • Ohja, Streit gehört wirklich dazu, aber wenn man sich „vertragen“ kann, ist das schon die halbe Miete. Ein Streit fühlt sich selten gut an und muss dann durchgestanden werden. Jaja. Das menschliche Miteinander..
      Soifz.

    • Ich habe es nochmal ausprobiert und das Problem ist, dass ich beweisen soll, dass ich kein ROBOT bin. Also gebe ich brav die gezeigten Buchstaben ein. Aber so oft kann nicht mal ich sie falsch eingeben. Zehnmal hintereinader bekam ich diese Veröffentlichungssperre: „Die eingegebenen Zeichen stimmen nicht mit der Sicherheitsabfrage überein. Bitte versuchen Sie es erneut.“ Dann habe ich aufgegeben. Ich kann dir leider nicht sagen, warum es nicht funktioniert..

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