Risikofreudig.

Er liebt die Kontrolle. Mach dies, tu das, höre ich häufig von ihm. Spielen wir gemeinsam gegeneinander, werden meine Rechte zugunsten seines Spiels eingeschränkt, so dass er in jedem Fall gewinnen kann. In lispelnder Sprache gibt er Anweisungen, tut seine Meinung kund und seit ich ihm Gefühle, wie diese schwelende Wut in ihm ausdrücklich „erlaubt“ habe, boxt er liebend gern.

Der kleine Nils ist durchaus in der Lage, Teenagermädchen an der Bushaltestelle zu erzählen, dass er ihre Schuhe hässlich findet, ohne mit der Wimper zu zucken, aber ohne Mama traut er sich nicht die Straße allein zur Schule runter. Er lächelt selten, kann viele Menschen nicht leiden, doch wenn er sich an jemanden gewöhnt hat (von Vorteil ist, keine Leistung von ihm zu fordern), ist er treu an seiner Seite. Man kann sich denken, dass die Schule nicht sein liebster Platz ist, dort wird viel von ihm verlangt, dabei träumt er doch so gern und ist zuweilen quälend langsam. Immer wieder rührt mich sein unvermittelter Charme und ich weiß nicht, ob ich lachen oder innerlich ein bisschen darüber weinen soll.

Nils sucht sich am liebsten ausgerechnet Risiko aus, um gewinnend durch die Landen zu ziehen. Ich darf ein paar Steinchen platzieren und muss ihm ansonsten gefälligst zusehen. Manchmal streifen mir Gedanken durch den Kopf, die ich dann in Form von Worten äußere:

Wann hast du eigentlich Geburtstag? Er schweigt. Einmal sagte er zu mir: Du hast die schwere Last, mir Fragen stellen zu müssen. Und da hat der Junge teilweise recht- wobei ich das großartige Fragen inzwischen eingestellt habe. Ich wiederhole meine Frage. Nils, wann hast du eigentlich Geburtstag? –Welchen Monat haben wir heute? fragt er zurück. Juli. – Dann habe ich am 26. Geburtstag. Er wird acht Jahre alt. Feierst du? Stille. Nachdem er Südamerika eingenommen und meine Steinchen ohne Gnade in den Ozean geschoben hat, antwortet er entrüstet: Wieso? Glaubst du, dass ich dich dann einlade!? Ich lache auf, was seinen ernsten Gesichtsausdruck jedoch in keinster Weise beeindruckt. Nein, natürlich feierst du mit deiner Familie und deinen Freunden. – Ich habe keine Freunde, die grimmige Antwort. Aaaaber das wird besser werden, schließt er mit brummiger Entschlossenheit unseren Dialog ab.

Und wenn Nils etwas beendet, gibt es keine weiteren Äußerungen mehr.

 

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