Ausgesetzt, aber mit Zuneigung versehen.

Sie hat uns Kekse und Chips mitgebracht. Ein kleiner Dank von ihr dafür, dass ich immer etwas Kleines für sie da habe. Es fällt ihr schwer, mit Worten zu danken, aber diese kleine Geste berührt mein Herz.

Oft fragt sie mich in letzter Zeit, wie gern ich sie habe. So sehr wie meinen Liebsten? Wen würde ich mehr mögen: sie oder das Mädchen, das nach ihr zu mir kommt? Sie schluckt Bestätigung und Wärme wie eine in der Wüste halb Verdurstete.

An diesem Tag beschäftigt sie neben den Keksen die Frage, ob ich für immer an diesem Ort bleiben werde. Ich erkläre, dass ich bis Ende September da bin. Trotzig erkundigt sie sich danach, wer dann mit ihr die Stunden verbringt, um gleich danach hinzuzufügen, dass sie zu niemand Anderem wolle. Ich verstehe. Beziehungsaufbau ist gelungen.. und es wird auch für mich schwer werden, sie einfach so zurückzulassen.

Nach der Stunde nimmt sie eine Babypuppe aus unseren Räumen, setzt diese ins Treppenhaus, mit dem Rücken zur Treppe und einem Ausblick auf die Straße, versorgt mit einem Milchfläschen.

Als ich sie eine Woche später darauf anspreche, ist es ihr unangenehm: die Puppe sei so hässlich gewesen, dass sie es nicht habe aushalten können und sie darum auf den Boden geschmissen habe. Gleich darauf beginnt sie, mit einem Edding herumzufuchteln, sie schafft es immer wieder, eine frisch gestrichene Wand anzumalen (Nagellackentferner wirkt Wunder), ein Spiel dreimal hintereinander fallen zu lassen und weiß genau, wie sie meine Aufmerksamkeit von brisanten Themen auf gefährdete Dinge ablenken kann.

Beständige, annehmende Beziehung mit einer guten Prise Grenzen kann Hügelchen versetzen. Was jedoch nicht bedeutet, dass man ab und an einen Sack Flöhe zu hüten scheint. Einen Sack Flöhe, den man sehr gern hat.

 

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2 Kommentare zu “Ausgesetzt, aber mit Zuneigung versehen.

  1. Oh, das erinnert mich so sehr an die Zeit, als ich PJ gemacht habe als Erzieherin. Wie erfüllend die Arbeit mit den Kindern war, hätte es bloß diese Kolleginnen nicht gegeben. Wie sie sich vertrauensvoll an einen schmiegen, nie wieder loslassen werden. Dabei bin ich mir sicher, sie vergessen einen schneller, als wir es tun. Ich kenne noch all ihre Namen. Von Nefise, Burak, Moritz, Phillip und Sophie. Und ich erinnere mich an ihre Stimmen, und an ihre kleinen, besitzergreifenden Hände und ihre großen Augen, wenn sie mich baten, „dieses eine persische Lied“ zu singen.

    Das war ein sehr schöner Blogartikel. Dieser Satz hier war regelrecht Poesie: „Sie schluckt Bestätigung und Wärme wie eine in der Wüste halb Verdurstete.“

    • Da, wo ich arbeite, sind die Kollegen wertschätzend, flexibel und junggeblieben (trotz ihrer 20 bis 30 Jahre mehr im Leben). Das ich schön und lehrreich für mich. Ohne Zuschauer bin ich dennoch freier den Kindern gegenüber. Bestimmt denken wir länger an sie als sie an uns denken, aber schwer ist ein Abschied dennoch. Ab und an nenne ich sie spaßeshalber „meine Kinder“. Meine Kinder sind zu alt und zu cool, um sich Lieder vorsingen zu lassen. Schade eigentlich..

      Danke für deine schönen Kommentare..

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