Angstfrei.

Sie hat es alles andere als einfach. So wenig wie die vielen Kinder, die die gescheiterten Lebensverbindungen ihrer Eltern durchstehen müssen und im schlimmsten Fall noch ihre Streitereien, die sich jahrelang hinziehen.

Feinfühlig für die Stimmungen anderer, jedoch alles andere als sensibel, wenn es darum geht, die gute Mitte im Umgang mit ihnen zu finden, ist sie vorangig einsam, vorangetrieben von einer ehrgeizigen jungen Mutter, die gerade lernt, geschickt mit ihrer Tochter umzugehen.

Während die ersten vier Monate unserer Beziehung von Machtkämpfen bestimmt waren, Hoch und Tiefs durchstanden, durch schmerzhafte Grenzerfahrungen vor allem für mich gingen, erwarb ich mir eine Haltung. Eine dieser Dinge, die man weder theoretisch lernen noch aus dem Lehrbuch anwenden kann, sondern die man sich erarbeitet. Stein für Stein.

Man mag es kaum glauben, aber ich würde gern an einer Schule arbeiten. Oder gezielt mit Kindern, denen es an Zuwendung, Richtung und Grenzen mangelt. Tatsächlich- mit Kindern und Jugendlichen.

Und heute habe ich versucht, für sie zu zaubern, die Traurigkeit und am besten ihre Ursache wegzuzaubern, stattdessen kam ein Körbchen Äpfel dabei raus, ein Teller selbstgekochter Milchreis und zwanzig Minuten in einer von mir geschaukelten Hängematte. Ein guter Deal für sie, der mir mit „vor Lachen das Wasser ausspucken müssen“ gedankt wurde. Und ein perfekter Tausch für mich.

Danke für den Kampf um die Haltung mit mir.

 

 

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8 Kommentare zu “Angstfrei.

  1. Ja, die kleinen lohnenden Momente, auf die man nicht hoffen darf und von denen man deshalb umso schöner überrascht werden kann. Ich wusste vorher nicht einmal, dass mir eine Haltung gefehlt hatte, nur das diffuse Gefühl von Unbehagen in der Nähe von Kindern und Jugendlichen bei der Arbeit ließen mich überzeugt sein davon, dass ich mit ihnen nicht arbeiten könne. Dabei war viel Moral, „man-darf-das-nicht“ und unrealistische Vorstellungen von Respekt mir gegenüber die größten Hindernisse. Ich bin eines besseren belehrt worden und bin fasziniert von den jungen Menschen- ich habe viel zu lachen (und manches, um mich zu ärgern, wenn ich wollte..).

    Selbsttreue? Mit den Kindern und Jugendlichen inzwischen eindeutig ja.

  2. „Feinfühlig für die Stimmungen anderer, jedoch alles andere als sensibel, wenn es darum geht, die gute Mitte im Umgang mit ihnen zu finden“ – wow, ich dachte, es geht hier um mich! Anscheinend ist sowas normal, wenn man aus solchen Familienverhältnissen kommt…
    Und schön, dass du etwas gefunden hast, was dich erfüllt! Das ist wichtig, um blöde Erfahrungen zu verarbeiten, denke ich…
    LG
    Esra

    http://nachgesternistvormorgen.de/

    • Bei manchen bewirkt es das Verhalten wohl, ja. Schließlich muss sie immer wieder aushalten, zwischen den Eltern zu sitzen, ihre Loyalität ist auf dem Prüfstand, sie wird instrumentalisiert und Teil eines Krieges, an dem sie nichts zu gewinnen hat. Dazu lernt sie von ihren Vorbildern (Mama und Papa) leider nicht unbedingt das sensibelste Vorgehen.
      Wenn es dir einen Aha-Moment verschafft hat, finde ich das schön, denn ich habe seit ich im sozialen Bereich arbeite, häufig Aha-Momente. Was ich nun daraus mache, ist eine andere Geschichte.. 😉

      Symphonee.

  3. Wow, was für ein Text…
    Ich werde ja Lehrerin und bin schon sehr gespannt auf die Schicksale, die mir da begegnen werden – und ob ich denjenigen Kindern, die mir verletzt begegnen, etwas mitgeben können werde. (Gerade, da ich selbst Scheidungskind bin.)

    Zum Sauerampfer: Den gab’s bei uns auf dem Wochenmarkt beim grummeligen Kräuterbauern. Hilft dir jetzt nicht viel, was?

    • Danke für deine Antwort.. es hilft mir schon weiter, weil das heißt, dass ich einfach nur weitersuchen muss 🙂

      Als Lehrerin wirst du sicherlich vielen Kindern mit schwerern Schicksalen begegnen. Du kannst einiges dafür tun, diese Kinder zu unterstützen, indem du aufmerksam bist, nachfragst, für sie da bist und notfalls weiter verweist. Außerdem ist es sehr schön, wenn Lehrerinnen einen „systemischen“ Blick auf ihre Schüler haben. Das Kind selbst ist selten so (anstrengend) geboren und wird stark durch die Umstände geprägt, in denen es aufwächst. Und wenn du selbst ein Scheidungskind bist, weißt du vielleicht, was ein solches Kind bräuchte? Mir fallen viele kleine Dinge ein, aber es ist ein Prozess und ein Weg, sie alle beachten zu können. Viel Glück dir dafür!

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